Meinungen

Offener Brief an den Präsidenten von «Zukunft CH»

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Sehr geehrter Herr Pfr. Hansjürg Stückelberger,
Frieden sei mit Ihnen und uns allen, wie die Barmherzigkeit Gottes und Sein Segen,

als besorgter schweizer Bürger möchte ich nicht schweigen, sondern gerade aufgrund meiner Liebe zur Schweiz ein Statement zum Flyer «Soll der Islam öffentlich-rechtlich anerkannt werden» und zur Zukunft der Schweiz in Bezug auf die Gottergebenheit (arabisch: «Islam») abgeben.

Der Flyer erreichte meine Frau und mich heute in unserem Briefkasten und ich verstehe die Sorgen meiner Mitbürger, denen die abendländisch geprägten Werte und der Wohlstand dieses schönen Landes teuer sind. Sie sind definitiv zu schützen und wir müssen alles unternehmen, dass die demokratischen Werte, nach denen wir leben, bewahrt und weiter auf demokratischem Wege verbessert werden müssen (nobody’s perfect).

Kurz zu mir: Ich befasse mich spätestens seit 2006 und vor meiner Einbürgerung und Ausbildung zum Offizier intensiv mit der Gottergebenheit (Islam) und betreibe die Webseite alrahman.de mit der Absicht der direkten, schonungslosen Aufklärung. Erst vor Kurzem erschien mein Buch Schlüssel zum Verständnis des Koran (kostenlos auf der Webseite als PDF erhältlich), weshalb ich mich durchaus als jemanden betrachte, der nicht nur einiges von der Gottergebenheit versteht, sondern auch die Menschen zu erreichen vermag, wie an bereits rund 650 verkauften Büchern und folgendem Beispiel deutlich wird:

 

Selam. Ich bin gerade dabei, dein Buch „Schlüssel zum Verständnis des Koran“ zu lesen und muss dir wirklich meinen tiefsten Respekt aussprechen. Dieses Buch ist mir eine große Hilfe und ich danke dir dafür, dass du mir eine Möglichkeit geschaffen hast, wie ich mich von kulturellen Einflüssen lösen kann, um die Lesung mit Gottes Hilfe zu studieren und zu verstehen. Vielen lieben Dank und möge Allah dich dafür reichlich belohnen. Einen schönen und friedlichen Abend noch dir und deiner Familie.

 

Wenn wir von der Gottergebenheit sprechen, dann teilt sie die Welt nicht in das ‹Haus des Frieden› (dāru-s-salām) und in das ‹Haus des Krieges› (dāru-l-ḥarb). Indem die Schreiber und Entwerfer dieses Flyers diese anti-koranische (!) Meinung einer Minderheit zur Theologie der Gottergebenheit und somit unweigerlich aller Gottergebenen (arabisch: «Muslime») erheben, werden leider unbegründet Angst und Hass geschürt. Dieser Hass wird gegenüber einer Menschengruppe geschürt, die unter Umständen von dieser Aufteilung noch nie etwas gehört haben und ihr gerade aus religiösen Gründen auch niemals zustimmen können.

Offensichtlich haben sich die Verfasser und Verantwortlichen des Flyers nicht mit der Lesung (arabisch: «Koran») befasst. Denn nach den ihr innewohnenden, gottergebenen (arabisch: «muslimischen») Prinzipien gelten nach heute verwendeten Begriffen föderalistisch-laizistische Grundsätze, die innerhalb einer Demokratie Anwendung finden müssen. Mit dieser Meinung stehe ich auch nicht alleine da, viele namhafte Theologen stimmten mir zu. Als ein Beispiel sei Professor Yaşar Nuri Öztürk angeführt: Die Zeit nach den Propheten: Der Koran fordert Demokratie

Ich gehöre zu jenen, die die Lesung durchaus wörtlich nehmen. Gerade deshalb muss ich insbesondere in Bezug auf die zitierten Verse 48:28 und 8:39 absolut widersprechen. Eine überwältigende Mehrheit der Theologen wie auch der Gottergebenen versteht diese Verse nicht so wie im Flyer dargestellt. Mit der in meinem Buch erläuterten Vorgehensweise im Verstehen der Lesung wird auch klar wieso. Für weitere Einzelheiten schlagen Sie bitte in folgendem Artikel nach: Anweisungen während eines Krieges

Christliche Werte sind geprägt von der Nächstenliebe. Das Gleichnis des barmherzigen Samariters ist ein klares Beispiel hierfür. Diese Werte finden sich ebenso uneingeschränkt in der Lesung (Koran). Ja, vielmehr, einen barmherzigen Samariter nennt man nach den Worten der Lesung einen Mudschāhid, also jemanden, der den Dschihād ausübt. Dieser für viele unerwartete Vergleich des barmherzigen Samariters mit einem Mudschāhid zeigt, wie prekär die Lage auf beiden Seiten ist. Gottergebene sind durch die westlich geprägte Rhetorik dermassen beeinflusst, dass sie begonnen haben selbst die Begrifflichkeiten durcheinander zu bringen. Begriffe wie den «heiligen Krieg» oder den «politischen Islam» gibt es nicht in der Lesung. Hier empfehle ich folgenden Artikel: Die Rhetorik von „Terror“ und „Dschihad“

Nicht dass wir uns missverstehen: Wir müssen gemeinsam gegen den AIS (anti-islamischen Staat) vorgehen und sämtlichen Gottergebenen (Muslimen) und Andersgläubigen aufzeigen, dass ihr religiöses Fundament nicht auf der Lesung, sondern auf Quellen beruht, die erst nach der Offenbarung der Lesung in einem Umfeld politisch chaotischer Zustände entstanden sind, die leider heute von Gottergebenen selbst noch fälschlicherweise und aufgrund fehlender Aufklärung ungerechtfertigt als Offenbarung oder autoritäre Quellen der Religion verstanden werden können. Diese nennen sich beispielsweise auf Arabisch Sunna, Idschmāʿ und Idschtihād. Sie haben mit der Lesung nichts zu tun und sind menschliche, teils auch ‹satanische› Produkte.

Die Schweiz ist in ihrem Geiste und Wesen hochgradig aufklärerisch. Allein der Name Huldrych Zwingli zeigt dies auf. Wir möchten diesem aufklärerischen Geist folgen und rufen dazu auf, dass jede und jeder, der/dem die Sicherheit und das Wohl dieses Landes am Herzen liegt, uns zu unterstützen. Sei dies durch Einladungen an Gespräche, Podiumsdiskussionen, Radiosendungen oder auch Sendungen im Fernsehen.

Eine Anerkennung der Gottergebenheit fördert den Frieden und gibt gerade dadurch die Möglichkeit, präventiv über die Religion aufzuklären, damit Radikalisierung erst überhaupt nicht stattfinden kann. Gehen wir gemeinsam vor gegen zum Beispiel die satanischen Machenschaften des AIS. Ähnlich Denkende wie wir sind für den inneren und äusseren Frieden, den geistigen wie gesellschaftlichen Frieden. Wir sehen die Schweizer Verfassung als eine mögliche Umsetzung der gottergebenen Prinzipien, die wir aus der Lesung entnehmen. Ein paar unserer Flyer habe ich Ihnen beigelegt.

Am 21. November 1990 wurde in der Charta von Paris die Spaltung Europas in Ost und West im Kalten Krieg für beendet erklärt. Mögen wir nun damit beginnen, die Spaltung der Welt in «West» und «Ost», der «Anderen» und «Uns» zu beenden. Beginnen wir vielmehr damit, den Frieden zu sichern durch Aufklärung, Verständnis und Barmherzigkeit.

Mögen wir das gottergebene Prinzip der Vernunft, der Liebe und des Friedens gemeinsam vorleben.

In Frieden und mit freundlichen Grüssen,
Kerem Adıgüzel

Thema des Monats Mai ’15: Naturkatastrophen als Strafe Gottes?

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie Sein Segen!

So Gott will werden wir immer wieder ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können. Einfach spontan antworten!

Thema des Monats Mai ’15: Naturkatastrophen als Strafe Gottes?

Eine Woche nach dem Erdbeben in Nepal stieg die Opferzahl auf mehr als 6600, die Zahl der Verletzten auf mehr als 14’000. Nebst der Tatsache, dass die Betroffenen Hilfe benötigen und sie so schnell wie möglich erhalten sollen (2:215), gibt es auch eine immer wiederkehrende Frage bezüglich solchen und anderen Naturkatastrophen, nämlich ob sie auch eine Strafe Gottes sein könnten für Menschen, die nicht „richtig an Ihn glauben“. In der Tat gibt es durchaus Koranstellen, die dafür sprechen könnten. Insbesondere Erdbeben werden besonders erwähnt, wird ihnen doch ein gesamtes Kapitel gewidmet:

99:1-8 Wenn die Erde heftig erbebt und die Erde ihre Massen hervorbringt. Und der Mensch sagte: Was ist mit ihr los? An jenem Tag berichtet sie von sich selbst, dass Dein Herr ihr dies offenbarte. An jenem Tag gehen die Leute zerstreut hervor, um ihre Werke gezeigt zu bekommen. Wer im Gewicht eines Teilchens Gutes tut, der wird es sehen. Und wer im Gewicht eines Teilchens Schlechtes tut, der wird es sehen.

Noch interessanter wird die Fragestellung, wenn man sich folgenden Vers in Erinnerung ruft:

30:41 Verderbnis ist gekommen über Land und Meer um dessentwillen, was die Hände der Menschen gewirkt, auf dass Er sie kosten lasse die (Früchte) so mancher ihrer Handlungen, damit sie umkehren. (Siehe auch 42:30-31)

Und so kommt es dann auch, dass mich immer wieder Aussagen erreichen, die der folgenden ähneln: „Ich habe mich letztens mit Nepal bisschen beschäftigt. Nepal lebt einen Polytheismus. Ich bin mir nicht sicher und bin auch nicht jemand, der gerne versucht alles über einen Kamm zu scheren, aber denkst du, dass das Erdbeben mit dem Polytheismus zu tun haben kann, auch wenn dies zu beweisen gar nicht möglich wäre? Natürlich wäre es absurd zu behaupten, dass monotheistische Länder frei von Erdbeben wären, doch beim Polytheismus geht es ja um eine grobe, unverzeihlich große Sünde (4:48) und solche Katastrophen sind vielleicht ein Zeichen.

Vorneweg: ich kann keinerlei Aussagen darüber tätigen, ob dies oder jenes von Gott oder nicht von Gott käme. Ich habe keinen Einblick ins Verborgene und so bleibt mir nichts anderes übrig als der Blick in den Koran, um eine möglichst gesamtheitliche Betrachtungsweise zu erhalten, die von vorneherein beschränkt sein muss. Persönlich widerstrebt es mir jedoch, irgendwelche lokalen Naturerscheinungen als Strafe über eine geographische Region zu sehen. Zwar wurden vergangene Völker laut Koran auch schon mittels Naturkatastrophen hinweggerafft (siehe z.B. Sura 54), jedoch sehe ich in solchen lokalen Erscheinungen auf der Welt wie in Nepal einen Unterschied. Sie sind für mich auf jeden Fall nicht zu verallgemeinern.

29:2-3 Meinen die Menschen, sie würden in Ruhe gelassen werden, wenn sie nur sagten: «Wir glauben», und sie würden nicht auf die Probe gestellt? Wir stellten doch die auf die Probe, die vor ihnen waren. Also wird Gott gewiss die kenntlich machen, die wahrhaftig sind, und gewiss wird Er die Lügner bezeichnen.

So sehen wir, dass es auch Gläubige gleichermaßen treffen kann, gerade damit sie geprüft werden in ihrer Geduld (siehe auch 2:155f.). Ich persönlich sehe in solchen Gegebenheiten nicht nur die bloße Bestrafung Gottes. Mit dem Glauben an Gott ist für mich auch unzertrennbar der Einsatz der Vernunft verbunden: Gott erschuf uns mit Anlagen wie Augen, Ohren und einem Gehirn, die wir uns zu Nütze machen dürfen und sollen. Und nach dem Gesetz Gottes habe ich nicht passiv zu bleiben und zu denken, es sei alles vorbestimmt, sondern muss meine eigene Situation selbst zum Besseren ändern (13:11, 8:53). Bedenke ich noch den nachfolgenden Vers, wird für mich die Sachlage noch klarer:

4:97-98 Zu jenen, die Unrecht gegen sich selbst verübt haben, sagen die Engel, wenn sie sie abberufen: „In welchen Umständen habt ihr euch befunden?“ Sie antworten: „Wir wurden als Schwache im Lande behandelt.“ Da sprechen jene: „War Gottes Erde nicht weit genug für euch, dass ihr darin hättet auswandern können?“ Sie sind es, deren Herberge die Hölle sein wird, und schlimm ist das Ende! Ausgenommen davon sind die unterdrückten Männer, Frauen und Kinder, die über keinerlei Möglichkeit verfügen und keinen Ausweg finden.

Mit Ausnahme der Mittellosen (4:98) stehen die Menschen also in Selbstverantwortung bezüglich ihres eigenen Schicksals. Die Welt ist ein großer Platz, sie ist weit genug für uns, und wenn die geografischen Begebenheiten unpassend sind, indem sie beispielsweise Erdbeben begünstigen, ist es mein eigener Fehler, wenn ich keine Gegenmaßnahmen einleite. Laut Koran muss der Gottergebene also auch das Recht der Immigration akzeptieren (4:97-98; 7:128). Und an vielen Stellen werden wir von Gott ermahnt, dass wir unseren Verstand einsetzen sollen. So ist es doch auch die fromme Aufgabe des aufmerksamen Gottergebenen, Ingenieurswissenschaften meisterhaft zu beherrschen und voranzutreiben, damit mit der Hilfe Gottes architektonisch stabile Gebäude errichtet werden für alle Menschen gleich welchen Geschlechts, welche Ethnie und welcher Glaubenszugehörigkeit?

Es wird sich meines Erachtens gerade durch solche Naturkatastrophen wie Erdbeben zeigen, ob man die von Gott in uns geschaffenen Anlagen optimal nutzt. Werden wir nicht gerade dadurch erst sehen, wer von uns für Gutes in der Welt sorgte, indem er stabilere Gebäudeformen erforschte, entdeckte und den Menschen dienlich machte? Wird es nicht dadurch ersichtlich, ob wir beim Bau von Gebäuden Profite im Vordergrund sehen, deshalb die Sicherheit außen vor lassen und dadurch Menschenleben aufs Spiel setzen? Werden wir also an jenem Tag nicht, wie in Sura 99 angekündigt, das volle Gewicht des Guten und Schlechten von dem spüren und sehen, das wir taten oder zu tun bewusst ausließen?

Das Thema des Monats Februar 2015: Achtsamkeit

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können, soll hier stichwortartig oder auch in mehreren Sätzen der eigene Gedanke verewigt werden. Einfach am besten spontan antworten!

Das Thema des Monats Februar 2015: Achtsamkeit

Das Wort „Achtsamkeit“ ist immer häufiger in aller Munde und es werden verschiedene Vorstellungen mit diesem Wort verbunden.
Auch im Koran wird die Achtsamkeit /das Achtsamsein sehr häufig erwähnt. So zum Beispiel gleich im 2. Vers der Sure 2

2:2 Jene ist die Schrift, kein Zweifel in ihr, eine Rechtleitung für die Achtsamen

Die Schrift ist eine Rechtleitung für die Achtsamen steht hier. Wer ist nun aber laut Koran achtsam und was bedeutet es achtsam zu sein? Hierüber finden wir meiner Meinung nach besonders in den nachfolgenden Versen eine Antwort:

2:21 Ihr Menschen, dient eurem Herrn, der euch erschuf und diejenigen vor euch, auf dass ihr achtsam seid

Wir sollen Gott dienen, auf dass wir achtsam sind. Gott zu dienen, Gottes achtsam zu sein bedeutet zum einen natürlich auf Gottes Wort zu hören, aufmerksam und mit Gott verbunden zu sein. Gottes achtsam zu sein beinhaltet meines Erachtens aber auch, dass wir achtsam mit Gottes Schöpfung umgehen und auch, dass wir füreinander achtsam sind, wie es im Vers nachfolgenden 2:177 erwähnt wird:

2:177 Aufrichtigkeit ist nicht, wenn ihr eure Gesichter in Richtung des Ostens oder des Westens kehrt, sondern Aufrichtigkeit ist, wenn man an Gott, an den letzten Tag, an die Engel, an die Schrift und an die Propheten glaubte und das Geld, obwohl man es liebt, den Nahen, den Waisen, den Bedürftigen, dem Obdachlosen, den Fragenden und den Unfreien zukommen ließ und den Kontakt aufrechterhielt und zur Verbesserung beisteuerte. Die ihre Vereinbarung einhalten, wenn sie vereinbarten, und die in der Not, im Leid und wenn es schlimm zugeht, geduldig sind, das sind die Wahrhaftigen und das sind die Achtsamen

Wir sollen nicht nur für uns leben oder nur nach uns schauen, sondern auch einen Blick für unsere Mitmenschen haben, uns gegenseitig wahrnehmen, unterstützen und unsere Vereinbarungen einhalten.
Desweiteren wird in diesem Vers aber auch noch die Geduld erwähnt. Achtsam sind die, „die in der Not, im Leid und wenn es schlimm zugeht geduldig sind“. Wenn ich geduldig bin, erkenne ich an, dass jedes Ding und jede Veränderung seine Zeit braucht zum Wachsen und Reifen und dass sich nichts beschleunigen lässt. Dieses Anerkennen erfordert Achtsamkeit und Vertrauen. Durch Ungeduld ändern wir nichts, sondern machen viele Dinge noch schlimmer.

Achtsamkeit hat auch mit Demut zu tun, denn nur in der Demut kann ich mich Gott ergeben, habe ich Mut zum Dienen, Mut zur Einsicht und Mut zur Menschlichkeit.  (Siehe hierzu auch unseren Artikel zur Demut )

3:200 Ihr, die ihr glaubtet, seid geduldig, duldsam, bleibt verbunden und seid Gottes achtsam, auf dass ihr erfolgreich seid

In der Achtsamkeit fühle ich mich verbunden mit Gott, mit seiner Schöpfung und mit meinen Mitmenschen. Das Wissen, dass alles mit allem verbunden ist, wird sich auf mein Handeln, auf meine innere und äußere Haltung und auf meine Wahrnehmung auswirken und – um noch einmal auf Vers 2:2 zurückzukommen – wenn ich mit dieser Haltung der Achtsamkeit die Schrift lese, wird sie eine Rechtleitung für mich sein.

Was sind eure Gedanken zu diesem Thema? Wie definiert ihr für euch Achtsamkeit und was verbindet ihr damit?

Thema des Monats Dezember 2014: Eine Welt

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können, soll hier stichwortartig oder auch in mehreren Sätzen der eigene Gedanke verewigt werden. Einfach am besten spontan antworten!

 Das Thema des Monats Dezember 2014: Eine Welt

Wir alle leben in Einer Welt und sollten darauf achten gut mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen umzugehen. Dies beinhaltet Dinge wie Umwelt- und Tierschutz, Nachhaltigkeit, Nächstenliebe, Freigiebigkeit und vieles mehr. In der Realität sieht es aber leider ganz anders aus:

Wir leben in einer Welt, die einerseits voll ist von Überfluss und die andrerseits geprägt ist von Armut, Hunger, Ausbeutung und Kinderarbeit.
Wir leben in einer Welt, in der Umweltzerstörung aus Profitgier und Unachtsamkeit an der Tagesordnung sind.
Wir leben in einer Welt in der Menschen sich aus den verschiedensten Gründen bekriegen und damit Leid und Zerstörung verursachen.

Uns sollte klar sein, dass alles, was irgendwo auf der Welt passiert, letztendlich auch auf uns zurückfällt. Alles hängt mit allem zusammen. Dort wo Ausbeutung,Unterdrückung und Zerstörung herrscht, wo die Umwelt und somit die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört wird und sie keinen Zugang zu sauberen Wasser und sonstigen Ressourcen haben, kann es keinen dauerhaften Frieden geben. Was wir häufig nicht bedenken ist, dass die Armut der sogenannten „Dritten Welt“ im engen Zusammenhang mit dem Reichtum der „Ersten Welt“ steht. Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass die Menschen in den benachteiligten Gebieten der Erde auch ein menschenwürdiges Leben führen können und dass sie und ihre Umwelt nicht durch unser Verhalten ausgebeutet werden.
Wir alle tragen auch Verantwortung für die Umwelt und die Natur und jeder Einzelne sollte sein Konsumverhalten und seine Lebensweise kritisch überdenken und notfalls korrigieren. Besonders der Lebensstil in den Industrieländern führt zu einem sehr hohen Ressourcen- und Energieverbrauch und dadurch zu Klimaveränderungen und zur Zerstörung der Umwelt auch in anderen Teilen der Welt -häufig gerade dort, wo Menschen schon jetzt in Armut leben und nur das Nötigste zum Leben haben.

Gott hat uns in den Schriften vorgeschrieben, dass wir nicht maßlos sein sollen, sondern dass wir nachhaltig mit den Ressourcen der Erde umgehen und dass wir freigebig und friedlich sein sollen. Hier einige Beispielverse aus dem Koran:

2:204-205
Und unter den Menschen gibt es den, dessen Rede dir im diesseitigen Leben gefällt. Doch Gott bezeugt, was in seinem Herzen ist, dabei ist er der Übelste der Streitsüchtigen
Und wenn er sich abkehrt so strebt er auf der Erde danach, auf ihr Verderben zu stiften und den Acker und die Fortpflanzung zu vernichten. Doch Gott liebt nicht das Verderben

6:141
Und Er ist es, der Gärten mit Spalieren und ohne Spaliere entstehen lässt, sowie die Palmen und das Getreide verschiedener Erntesorten, und die Öl- und Granatapfelbäume, die einander ähnlich und unähnlich sind. Esst von ihren Früchten, wenn sie Früchte tragen, und entrichtet am Tag ihrer Ernte, was als Rechtspflicht darauf steht, aber seid nicht maßlos — Er liebt ja die Maßlosen nicht.

15:19-20
Auch die Erde haben Wir ausgebreitet und auf ihr festgegründete Berge angebracht. Und Wir haben auf ihr allerlei Dinge im rechten Maß wachsen lassen.
Und Wir haben auf ihr für euch Unterhaltsmöglichkeiten bereitet, und (auch) für diejenigen, die ihr nicht versorgt.

Wir alle sind dazu angehalten respektvoll und solidarisch mit unseren Mitmenschen und auch mit den Tieren und der Natur umzugehen um auch den nachfolgende Generationen gute Lebensbedingungen zu hinterlassen. Dazu sollten wir unsere Lebensweise und unser Umweltverhalten täglich hinterfragen um zu erkennen, wo wir etwas ändern sollten um friedensstiftend zu leben und zum Erhalt der Schöpfung beizutragen.

Koranvers 22:37 mit einem Steinbock in Menschengestalt

Gedankenlose Traditionen? Das Opferfest

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verworfenen Satan,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

22:37 Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreichen Gott. Ihn erreicht aber eure Achtsamkeit. So hat Er sie euch dienstbar gemacht, damit ihr Gott dafür preist, dass Er euch rechtgeleitet hat. Und verkünde den Gutes Tuenden frohe Botschaft!

Der Friede sei mit euch und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

Gläubige, hinterfragt den Sinn vom Opferfest! Ist alles, was wir von unseren Vorvätern und unseren Ahnen lernten, auch wirklich Gottes Lebensordnung, die für uns vorgesehen ist? Viele von uns haben sich schon seit Kindesalter gefragt, ob Gott solch ein Massenschlachten der Tiere vorgesehen hat – selbst dann, wenn die Absicht der meisten, die im Namen Gottes Tiere schlachten, nicht bösen Ursprungs ist?

2:170 Und wenn ihnen gesagt wird: Folgt dem, was Gott herabsandte. Dann sagen sie: Vielmehr folgen wir dem, was wir bei unseren Vätern vorfanden. Auch dann, wenn ihre Väter weder etwas verstanden noch Rechtleitung fanden?

Hanif-Übersetzung

Müssten wir nicht eher „das Gute tun“ („amal as-salih“) als eine Tradition zu feiern? Müsste nicht das Wichtigere in den Vordergrund gestellt werden an solchen Tagen? Jeder hat doch seine eigenen Mittel und Wege, zum Guten beizutragen?! Ob offen oder im Verborgenen, Gott weiß um das Innere in unserem Herzen Bescheid.

2:148 Und für jeden gibt es eine Richtung, zu der er sich kehrt. So wetteifert um die guten Taten. Wo immer ihr auch seid, Gott bringt euch alle herbei. Gewiss, Gott ist über alle Dinge mächtig

2:270 Und was ihr an Abgabe ausgebt oder an Gelübde gelobt, so weiß Gott es gewiss. Und für die Ungerechten sind keine Helfer

Wie viel müssen wir wem als Hilfsgüter ausgeben?

2:215 Sie fragen dich, was sie abgeben sollen. Sage: Was ihr an Gutem ausgebt, ist für die Eltern, die Nahen, die Waisen, die Bedürftigen und die Obdachlosen, und was ihr an Gutem tut, so ist Gott darüber wissend

2:219Und sie fragen dich, was sie abgeben sollen. Sage: Verzeihung! Auf diese Weise macht Gott euch die Zeichen klar, auf dass ihr nachdenkt

2:273 Für die Armen, die auf dem Weg Gottes eingeschränkt sind, die sich auf der Erde nicht durchschlagen können. Der Ignorante rechnet von ihrer Zurückhaltung her damit, dass sie reich seien. Du erkennst sie an ihren Kennzeichen. Sie fragen die Menschen nicht aufdringlich. Und was ihr ausgebt an Gutem, so ist Gott darüber wissend

Was ist, wenn wir keine Bedürftigen oder Arme um uns herum finden?

2:177 Aufrichtigkeit ist nicht, wenn ihr eure Gesichter in Richtung des Ostens oder des Westens kehrt, sondern Aufrichtigkeit ist, wenn man an Gott, an den letzten Tag, an die Engel, an die Schrift und an die Propheten glaubte und das Geld, obwohl man es liebt, den Nahen, den Waisen, den Bedürftigen, dem Obdachlosen, den Fragenden und den Unfreien zukommen ließ und den Kontakt aufrechterhielt und zur Verbesserung beisteuerte. Die ihre Vereinbarung einhalten, wenn sie vereinbarten, und die in der Not, im Leid und wenn es schlimm zugeht, geduldig sind, das sind die Wahrhaftigen und das sind die Achtsamen

Die Fragenden und die Unfreien sind es, die unsere Hilfte benötigen, also die Sklaven der heutigen Zeit. Es ist leider so, dass die Sklaverei auch heute noch nicht abgeschafft wurde, sie nennt sich nur anders als früher. Befreien wir also die von Kreditschulden belasteten Menschen von ihrer Last und helfen uns gegenseitig!

Gebt dabei aber keine Güter ab, die ihr selber nur ungern annehmen wolltet, denn:

2:267 Ihr, die ihr glaubtet, gebt ab von den guten Dingen, die ihr erwarbt, und von dem, was wir für euch aus der Erde hervorbrachten, und sucht nicht das Üble davon aus, um es auszugeben, während ihr es nicht nehmt, außer ihr drückt dabei ein Auge zu. Und wisst, dass Gott reich, lobenswert ist

Wir wurden im Koran von unserem Herrn gewarnt, dass wir nicht damit beschäftigt sein sollen, Güter und Vermögen anzuhäufen, da uns sowieso nichts wirklich gehört und spätestens mit unserem Tod alles abgegeben wird. Diese Welt ist vergänglich und wir haben die kurze Zeit mit Sinnvollerem auszufüllen:

17:100 Sage: „Wenn ihr die Schätze der Barmherzigkeit meines Herrn besäßet, würdet ihr sie aus Furcht vor Verarmung zurückhalten. Der Mensch pflegt geizig zu sein.“

102:1-2 Euch lenkte die Vermehrung ab. Sogar die Friedhöfe habt ihr besucht!

Wie steht es nun um das Opferfest (عيد الأضحى – ʿĪdu l-Aḍḥā)? Ist dieses Opferfest aus dem Koran oder nicht? Woher kommt das Wort „Fest“ (ʿĪd – عيد) überhaupt? Soviel ist zu sagen: das Opferfest ist nicht aus dem Koran zu entnehmen! Selbst das zweite Wort al-Aḍḥā kommt im Koran nirgends in der heute gebrauchten Bedeutung vor!

Das Wort ʿĪd stammt von der Wurzel ayn-waw-dal (ع و د) ab und diese Wurzel bedeutet im Allgemeinen „zurückkehren“ oder „Rückkehr„. Im Koran wird dieses Wort an nur einer Stelle in dieser Form verwendet:

5:114 Jesus, Sohn der Maria, sagte: „Oh Gott, unser Herr, sende uns einen Tisch vom Himmel herab, dass er ein Fest (عيدا) für uns sei für den Ersten von uns und für den Letzten von uns, und ein Zeichen von Dir. Und versorge uns, denn Du bist der beste der Versorger.“

Allein an diesem Vers erkennen wir also die Bedeutung des Wortes ʿĪd in mindestens diesen Formen:

  • Es ist ein jedes Jahr zurückkehrender Brauch, der gemeinsam durchgeführt wird zum Wohle und für die geistige Gesundheit der Gemeinschaft.
  • Es ist für die Versorgung von Menschen gedacht zum Beispiel durch Essen und Getränke, insbesondere von Bedürftigen. Es ist auch ein Tag, um sich Gott gegenüber dankbar zu zeigen. Doch da die Versorgung nicht nur Essen und Getränke beinhaltet, bedeutet es das Abgeben von jeglicher Sache, die ein Bedürfnis des Armen versorgt. In anderen Worten ist es die Rückkehr der Gaben Gottes zu denen, die sie am meisten benötigen.
  • Das Fest wird durchgeführt, um sich Gottes Zeichen zu erinnern, also auch die Bücher Gottes, die Rechtleitung und die Gaben. Es soll ein Tag sein, an dem wir zu Gott zurückkehren. Insofern kann jeder Tag ein Fest sein, um zu Gott zurückzukehren, doch die Gemeinschaft der Gläubigen kann auch spezielle Tage festlegen, um bestimmter Geschichten aus dem Koran besonders zu gedenken. Das Opferfest als solches kommt im Koran nicht vor, doch kann es als ein von der Gemeinschaft festgelegter Tag gelten.

Das Opferfest ist nicht aus dem Koran zu entnehmen! Das sogenannte Opferfest stammt aus den Ahadith ab und wurde begonnen, um sich der Geschichte Abrahams bewusst zu werden. Leider wurde das allgemeine Verständnis dieser Geschichte falsch wiedergegeben, sodass Gott fälschlicherweise als ein blutrünstiger Gott dargestellt wird, der angeblich von Abraham die Opferung seines Sohnes verlangt haben soll. Die Richtigstellung der Geschichte finden Sie im Artikel Abraham und die Opferung seines Sohnes.

Bild zum Opferfest - Vers 22:37
Foto: Elif A.

Insofern ist das „Opferfest“ als solches nicht falsch, jedoch sollten die als Opfer geschlachteten Tiere zu den Bedürftigen zurückkehren. Ansonsten können wir gleich damit aufhören, diesen Tag zu feiern. Ein weiterdenkender Gottergebener (Muslim) würde zu sich selbst dann auch folgendes sagen, indem er einfach an die zitierten Koranverse denkt: Ich werde sowohl das geschlachtete Tier braten und die Gaben Gottes den Bedürftigen zurückgeben als auch etwas Langfristiges beabsichtigen, indem ich die nötigsten Bedürfnisse des armen Menschen in Erfahrung bringe und sie ihm nach Möglichkeit erfülle.

Möge dieses Fest ein Fest sein, an dem wir Opfer darbringen, wie etwa unsere Zeit zu opfern für die Bedürftigen und Armen und ihnen von den reichlichen Gaben Gottes zukommen lassen, die wir bisher angehäuft hatten.

Ein Dankeschön an Schwester Elif für das Foto und den Anstoß, diesen Artikel zu schreiben!

Was ist Ihre Meinung zu diesem Brauch?

22:32 So ist es. Und wenn einer die Riten Gottes hochhält, so ist dies gewiss aus der Achtsamkeit der Herzen.
22:33 In ihnen habt ihr Nützlichkeiten bis zu einer festgelegten Frist. Dann ist ihr Platz beim altehrwürdigen Haus.
22:34 Und jeder Gemeinschaft gaben wir Praktiken, auf dass sie des Namens Gottes gedenken über das, womit Er sie an Herdenvieh versorgte. Denn euer Gott ist ein einziger Gott. So seid Ihm ergeben und verkünde den Demütigen,
22:35 deren Herzen ehrfürchtig sind, wenn Gottes gedacht wird, und den Standhaften angesichts dessen, was sie trifft, und denen, die den Kontakt aufrechterhalten und von dem abgeben, womit wir sie versorgten.
22:36 Und die Üppigkeit machten wir euch zu Riten Gottes. In ihnen ist für euch etwas Gutes. So gedenkt der Namen Gottes darüber, im aufgereihten Zustand. Und wenn sie auf ihre Seiten niederfielen, so esst davon und speist den Bedürftigen und Bettelnden. Auf diese Weise haben wir sie euch dienstbar gemacht, auf dass ihr danket.
22:37 Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreichen Gott. Ihn erreicht aber eure Achtsamkeit. So hat Er sie euch dienstbar gemacht, damit ihr Gott dafür preist, dass Er euch rechtgeleitet hat. Und verkünde den Gutes Tuenden frohe Botschaft!

Schlüssel zum Verständnis des Koran: Gott rechnet anders

Wenn wir nach Beispielen wie etwa Geschichten oder Verse in der Lesung suchen, um eine Auslegung zu überprüfen, müssen wir uns an etwas erinnern: Das in der Lesung vorgeschlagene Wertesystem wird nicht in allen Belangen, sei es soziologisch, kulturell, politisch oder auch wissenschaftlich mit der unsrigen jetzigen Zeit und vor allem unseren eigenen Empfindungen übereinstimmen. Die Offenbarung Gottes wurde in einer menschlichen, also beschränkten Sprache verkündet. Insofern ist es also nur naturgemäß, dass eine Kluft entsteht zwischen dem heutigen Empfinden von Moral, Ethik und Recht, und den Ideen in der Art und Weise, wie sie in der Lesung vermittelt wurden. Diese Kluft hat die oder der Gottergebene dadurch zu überbrücken, indem sie oder er nach bestem Gewissen und Wissen die Lesung studiert, in ihr oder sich aufsaugt, am weltlichen Leben teilnimmt und dann die Ideen der Lesung in die jetzige Zeit überträgt auf der Suche nach dem besten Verständnis und dem, was Gott näher ist (39:18). Ein Professor, der die Lesung auswendig kann, aber am alltäglichen Leben kaum teilgenommen hat, nützt uns genauso wenig wie der erfahrenste Mensch, der das Buch nicht kennt und das Verständnis dessen deshalb mit Traditionen und Kultur vermischt, welche sich als seine eigenen Neigungen zusammenfassen lassen. Nach Beispielen in der Lesung zu suchen bedeutet auch, die Weisheit zu erkennen, sie im Leben selbst zu erblicken und auch die Notwendigkeit zu erkennen, aktuelle Zustände nicht als absolut endgültig anzunehmen. Diese Menschen, die sich selbst von jeglichen gedanklichen und äußerlichen Zwängen befreien, indem sie „Keine Gottheit außer dem Gott“ bezeugen, also nichts Absolutes anerkennen außer den einzigen Absoluten, den Schöpfer, werden in der Lesung als Achtsame (muttaqī) beschrieben, die Achtsamkeit (taqwá) gegenüber Gott üben.

Wir Menschen sind soziale Individuen, die ihre Meinungen mit der Zeit ändern. Doch laut der Lesung ändert sich Gottes Vorgehen nie und ist demnach in irgendeiner uns zugänglichen Form universell.87 Einige Meinungen aber bleiben in uns angeblich wie in Stein gemeißelt in der eigenen Geisteshaltung. Der wichtigste Schritt beim Verstehen der Lesung ist es deshalb, die eigene Meinung nicht Gott überzustülpen und stets bereit zu sein, sich selbst erneut vollends Gott hinzugeben. Schließlich handelt es sich hierbei um die Worte Gottes. Dies liest sich leichter, als dass man es sich bewusst sein mag. Eine Stütze kann der folgende Gedanke bieten: Ich weiß ja bereits, wie ich denke, doch sollte ich vielmehr daran interessiert sein in Erfahrung zu bringen, was Gott von mir will, dass ich denke, fühle und lebe. Wenn ich dann einfach auf Teufel komm raus meine eigene Sicht bestätigt sehen will, so werde ich auch fündig werden und in Ermangelung der Ergebung in Gott denken, Gott wolle dies oder jenes, obwohl es nur meine eigene Sicht ist.

Die Lesung Gottes ist wie ein Spiegel: schaut ein Affe rein, so schaut ein Affe zurück, weil Gott höchstpersönlich die Hochmütigen und Achtlosen vom Verstehen der Lesung abhält (17:45–46, 18:57). Hört jemand der Lesung auch wirklich zu und ändert sich und seinen eigenen Zustand nach der Lebensordnung (dīn), die Gott für uns in der Lesung beschrieb, und stellt sicher, dass er in diesem geänderten Zustand bleibt, so erlangt dieser eher die Barmherzigkeit von Gott (7:204, 13:11, 8:53).

Ich möchte die Überschrift dieses Kapitels mit einem relativ einfachen Beispiel aus dem Evangelium erläutern:

 

Matthäus 20:1-16, Die Arbeiter im Weinberg

„Ich möchte euch ein Gleichnis erzählen“, sagte Jesus. „Ein Weinbauer ging früh morgens Arbeiter für seinen Weinberg anwerben. Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: „Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?“ „Uns wollte niemand haben“, antworteten sie. „Geht doch und arbeitet auch noch in meinem Weinberg!“ forderte er sie auf.

Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: „Ruf die Leute zusammen und zahle ihnen den Lohn aus! Beginne damit beim Letzten und höre beim Ersten auf!“ Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn.

Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie bekamen alle nur den vereinbarten Tageslohn. Da fingen sie an zu schimpfen: „Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!“ „Mein Freund“, entgegnete der Weinbauer, „dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt?

Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genausoviel zahlen wie dir. Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?“ Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die Letzten.“88

 

Das finden wir ungerecht! Das ist ungerecht, mag es auch rechtmäßig zugehen – weltlich gesehen.

Gott ergeben zu sein ist wie eine schwere Arbeit. Wir müssen für die Gerechtigkeit, Liebe, Toleranz, Koexistenz und das Wissen kämpfen, wir müssen also für die Liebe Dschihad üben (uns bemühen).

Was nun im Gleichnis angeprangert wird, ist nicht der Umstand, wie viel effektiv gearbeitet wird, sondern ab wann. Hier ist natürlich zu berücksichtigen, dass ein Arbeiter, der zu einem späteren Zeitpunkt beginnt, unter Umständen effizienter arbeiten könnte als ein anderer, der früher begann. Wir haben jedoch immer die Chance zu Gott zu finden, und dann spielt es keine Rolle, ob wir bei den Ersten oder bei den Letzten sind. Es spielt für Gott keine Rolle, wann wir den Glauben annehmen, solange wir direkt Seinem Ruf, Seiner Einladung folgen. Gott rechnet anders als wir, was den Glauben angeht. Wenn wir also die Möglichkeit haben, sollten wir sie ergreifen und der Lohn steht uns zu, ganz gleich, in welchem Alter wir sind. Im Gleichnis die Arbeitswelt als Metapher zu verwenden ist wirklich trefflich.

Es ist von entscheidender Bedeutung, im richtigen Moment ein Gottergebener zu werden, falls Gott und Seine Botschaft erkannt wurden, und ebenso als einer zu sterben. Denn, wie kann Gott die Menschen bestrafen, die zuvor noch keinen wahrhaftigen Zeichen Gottes begegnet sind? Nein, Gott vergibt denjenigen, die sich im entscheidenden Moment, auch wenn kurz vor dem Tod, Gott ergeben. Dies finden wir auch in der Lesung bestätigt bei den Illusionisten aus der Zeit Pharaos, die erst kurz vor ihrem Tod Gottergebene wurden und als solche dann starben, weil Pharao sie hinrichten ließ für ihre Untreue an ihm:

 

7:118-126 Bewiesen war die Wahrheit, und ihr Trugwerk war entlarvt. So wurden sie dort besiegt und kehrten danach erniedrigt um. Und die Zauberer trieb es, in Anbetung niederzufallen. Sie sprachen: „Wir glauben an Gott, den Herrn der Welten, den Herrn von Moses und Aaron…“ Pharao sprach: „Glaubt ihr wirklich an Ihn, bevor ich es euch erlaube? Das ist eine Verschwörung, die ihr in der Stadt geschmiedet habt, um ihre Bewohner zu vertreiben. Ihr werdet bald wissen, wie ich eure Untat bestrafen werde. Ich werde eure Hände und Füße wechselseitig abhacken und euch alle zusammen kreuzigen.“ Sie sagten: „Wir werden (sowieso) zu unserem Herrn zurückkehren. Du nimmst uns nur übel, dass wir an die Zeichen Gottes, unseres Herrn, glaubten, als sie uns erreichten. Gott, unser Herr, gewähre uns viel Geduld und nimm uns als Gottergebene zu Dir!“

 

"In Gott vertraue ich und handle treu" (König Wilhelm I. von Württemberg)

Foto: Michael Molthagen , CC BY-NC-SA 2.0

Einige der LeserInnen mögen an dieser Stelle einwenden, dass sie ja dann tun und lassen können, was sie wollen, über die Schnur hauen, jeglicher Moral keines Blickes würdigen und allen Menschen im Umfeld Unrecht tun – und wenn sie dann alt seien, würden sie fromm und tiefgläubig werden. Wenn ich sage: Morgen ändere ich mein Leben – dann habe ich heute schon verloren. Woher weiß ich, ob es mich morgen noch gibt? Was, wenn ich morgen die Steine nicht mehr aus dem Weg räumen kann?

Wir erhalten mindestens das, was wir verdienen, doch im Grunde gewinnen wir mehr, als es unser Verdienst uns erlauben würde. Gott lässt Gnade vor Recht ergehen – bei uns allen. Denn würde Gott Recht vor Gnade walten lassen, würde Folgendes geschehen:

 

16:61 Und wenn Gott die Menschen wegen ihrer Frevelhaftigkeit belangen würde, würde er auf der Erde kein Lebewesen übriglassen. Aber er gewährt ihnen auf eine bestimmte Frist Aufschub. Kommt das festgesetzte Ende, kann niemand es weder vorverlegen noch aufschieben.

35:45 Und wollte Gott die Menschen strafen für alles, was sie tun, Er würde nicht ein Lebewesen auf der Oberfläche (der Erde) übrig lassen. Doch Er gewährt ihnen Aufschub bis zu einer bestimmten Frist. Und wenn ihre Frist eingetroffen ist, so ist Gott doch immer Seinen Dienern gegenüber sehend.

 

Insofern sehen wir ein, dass unser Empfinden nicht der Moral der Lesung entspricht und Gott eben anders rechnet als wir.89 Sind wir also geistig faul und träge und denken, die Wahrheit würde sich uns anpassen, statt dass wir uns der Wahrheit anzupassen haben, so werden wir aufgrund der selbstverschuldeten Achtlosigkeit die Rechtleitung verpassen und können uns zu den Verlierern zählen, die lediglich meinten, sie seien rechtgeleitet (18:103–104). Als Gottergebene müssen wir gegenüber uns selbst ständig Ehrlichkeit üben, um nicht anders zu rechnen als Gott es tut; wir haben stets an etwas zu knabbern – kurz gesagt: Es gibt immer einen Dschihad, also eine Anstrengung.

 

Römer 9:18-21 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. Nun sagst du zu mir: Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen?

Koran 6:88 Dies ist die Rechtleitung Gottes, damit leitet ER recht, wen ER will von Seinen Dienern.

2. Thessalonicher 2:11-12 Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit.

Koran 6:112-113 Wir haben den Feinden – die Satane (aus den Reihen) der Menschen und der Djinn – von jedem Propheten erlaubt, zum Trug eingebildete Wörter zu gebrauchen. Und hätte dein HERR es gewollt, hätten sie es nicht getan. Also lass ab von ihnen und ihren Erfindungen. Und das Herz derer, die nicht ans Jenseits glauben, sollen solchen Erfindungen zuhören und sie akzeptieren, damit ihre wahren Überzeugungen aufgedeckt werden.

Jeremia 18:3-6 Und ich ging hinab in des Töpfers Haus, und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe. Und der Topf, den er aus dem Ton machte, missriet ihm unter den Händen. Da machte er einen andern Topf daraus, wie es ihm gefiel. Da geschah des HERRN Wort zu mir: „Kann ich nicht ebenso mit euch umgehen, ihr vom Hause Israel, wie dieser Töpfer?“ spricht der HERR. Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr vom Hause Israel in meiner Hand.

Koran 45:23 Hast du den gesehen, der sich seine eigene Neigung zum Gott nimmt und den Gott auf Grund (Seines) Wissens zum Irrenden erklärt und dem Er Ohren und Herz versiegelt und auf dessen Augen Er einen Schleier gelegt hat? Wer sollte ihn außer Gott wohl richtig führen? Wollt ihr euch da nicht ermahnen lassen?

Koran 18:57 Und wer ist ungerechter als der, der an die Zeichen seines Herrn gemahnt wurde, er wandte sich aber ab von ihnen und vergaß, was seine Hände vorausgeschickt hatten? Wahrlich, Wir haben Schleier über ihre Herzen gelegt, so daß sie es nicht begreifen, und Taubheit in ihre Ohren. Und selbst wenn du sie zum rechten Weg rufst, werden sie nie den rechten Weg einschlagen.

Jesaja 29:16 Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!

Jesaja 45:9-12 Weh dem, der mit seinem Schöpfer hadert, eine Scherbe unter irdenen Scherben! Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du? und sein Werk: Du hast keine Hände! Weh dem, der zum Vater sagt: Warum zeugst du? und zum Weibe: Warum gebierst du? So spricht der HERR, der Heilige Israels und sein Schöpfer: Wollt ihr mich zur Rede stellen wegen meiner Söhne? Und wollt ihr mir Befehl geben wegen des Werkes meiner Hände? Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen. Ich bin’s, dessen Hände den Himmel ausgebreitet haben und der seinem ganzen Heer geboten hat.

Hiob 40:2 Mit mir dem Mächtigen willst du dich streiten? Willst du mich tadeln oder gibst du auf?

Koran 6:39 Die aber Unsere Zeichen leugnen, sind taub und stumm in Finsternissen. Gott führt, wen Er will, in die Irre, und wen Er will, den führt Er auf einen geraden Weg.

Koran 6:110 Wir lassen ihre Herzen und ihren Verstand hin und her schwanken, weil sie schon beim ersten Mal nicht glauben wollten. So verharren sie in der Ableugnung, und schlagen sich so weiter im Irrtum herum.

2. Mose 33:19 Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

Thema des Monats Juni 2014: Die Macht der Worte

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können, soll hier stichwortartig oder auch in mehreren Sätzen der eigene Gedanke verewigt werden. Einfach am besten spontan antworten!

 

Das Thema des Monats Juni 2014: Die Macht der Worte

 

Birke
„Siehst du nicht, wie Gott das Gleichnis vom guten Wort anführt? Er vergleicht das gute Wort mit einem guten Baum, dessen Wurzeln fest in der Erde liegen und dessen Äste hoch in den Himmel ragen. Er trägt seine Früchte mit Gottes Erlaubnis zur bestimmten Zeit. Gott führt Gleichnisse für die Menschen an, damit sie sich Gedanken machen. Ein schlechtes Wort aber ist wie ein schlechter Baum, der aus der Erde entwurzelt ist und keine Festigkeit hat.“
Koran 14:24-26

 

Worte haben eine große Macht und können Leben verändern. Einmal ausgesprochen lassen sie sich nicht mehr zurückhalten und beginnen ihre Wirkung zu entfalten. Sie können aufbauen oder zerstören, Gutes bewirken oder Schlechtes. Sie können unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Gott vergleicht das gute Wort auch mit einem gutem Baum, der feste Wurzeln hat und das schlechte Wort mit einem schlechten Baum, der aus der Erde entwurzelt ist.

Gute Worte können trösten, tragen, ermutigen, aufrichten, frei machen, motivieren, positive Veränderungen hervorrufen und Frieden stiften. Schlechte Worte hingegen können viel Schaden anrichten und zur Ursache werden für Verleumdung, seelische Verletzung, Ungerechtigkeiten, Ausgrenzung und sogar für Kriege. Sie können uns oder andere wie Schläge treffen, zwischenmenschliche Beziehungen vergiften, Menschen ins Unglück stürzen oder sie demotivieren. Es gibt Worte, die uns ein Leben lang verfolgen und unser Selbstbild negativ beeinflussen können, vor allem wenn sie von Menschen kommen, die uns nahe stehen und denen wir vertrauen. Zum Beispiel von den Eltern, Verwandten oder Freunden. Viele von uns kennen sicher solche schwerwiegende und verletzende Worte, die sich tief in unsere Seele eingegraben haben und die sich vielleicht immer noch auf unser Leben und unser Selbstbild auswirken. Hier können gute Worte einen Gegenpol bilden, diesen belastenden Worten die Macht nehmen und positiv verändern.

Da unseren Worten meist die Gedanken vorausgehen, sollten wir achtsam sein auf unsere Gedanken. Wenn wir schlechte Gedanken haben, wenn wir innerlich aufgewühlt oder wütend sind, wenn wir uns verletzt oder klein fühlen oder unser Herz vergiftet ist von Hass, dann kann es schnell passieren, dass unbedachte oder böse Worte unseren Mund verlassen und wir damit – unbeabsichtigt oder beabsichtigt – andere Menschen verletzen oder  Unfriede verbreiten.

Wir sollten deshalb auf unsere Worte und Gedanken achten, damit wir nicht anderen und uns selbst schaden. Die Worte, derer wir uns bedienen, sagen auch viel über uns selbst und unseren Charakter aus. Sie können unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen, zum Guten oder zum Schlechten.

 

Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.
Sprüche 12,18, Bibel

 

Was sind eure Gedanken zu diesem Thema und wie sind eure Erfahrungen hierzu? Wo haben euch Worte schon aufgerichtet und geholfen und wo verletzt und vielleicht sogar euer Selbstbild negativ verändert? Wie fühlt es sich an, wenn man selbst unbedachte Worte gesprochen hat und diese negative Auswirkungen hatten, auch auf euch selbst? Wie ist es, wenn ihr durch gute Worte anderen helfen oder Situationen zum Guten verändern konntet? Konntet ihr schon selbst merken, wie sich euer Handeln und Denken durch eure Wortwahl und durch die Wortwahl der Menschen, mit welchen ihr euch umgebt, verändert?

Thema des Monats April 2014: Gedanken zur Wahrhaftigkeit

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können, soll hier stichwortartig oder auch in mehreren Sätzen der eigene Gedanke verewigt werden. Einfach am besten spontan antworten!

 

 Das Thema des Monats April 2014: Gedanken zur Wahrhaftigkeit

Im Koran wird immer wieder erwähnt, wie wichtig es ist wahrhaftig zu sein. Die Wahrhaftigen werden positiv erwähnt, wie zum Beispiel in nachfolgendem Vers:

9:119 Ihr, die ihr glaubtet, seid Gottes achtsam und seid mit den Wahrhaftigen

 Wir sollen achtsam und mit den Wahrhaftigen sein. Was bedeutet es wahrhaftig zu sein, wann ist ein Mensch wahrhaftig? Was ist der Unterschied zwischen Wahrhaftigkeit und Wahrheit?

 Die Wahrhaftigkeit beinhaltet natürlich auch, die Wahrheit zu sprechen. Dies ist aber nur ein Aspekt. Wahrhaftigkeit beinhaltet meines Erachtens drei Dinge, nämlich wahrhaftig zu sein im Herzen, im Reden und im Handeln.

 Nur der Mensch, der wahrhaft mit sich selbst ist, vermag es auch gegen andere zu sein.
(Karl Christian Ernst von Bentzel-Sternau)

 Nur wer aufrichtig gegenüber sich selbst ist, kann es auch nach außen hin sein. Nur wenn unsere Worte und unserer Taten in Übereinstimmung mit unserer inneren Gesinnung und unserem Denken sind, sind wir geradlinig und wahrhaftig. Sind sie es nicht, dann täuschen, lügen, verschleiern oder heucheln wir.

2:177 Aufrichtigkeit ist nicht, wenn ihr eure Gesichter in Richtung des Ostens oder des Westens wendet, sondern Aufrichtigkeit ist, wenn man an Gott, an den letzten Tag, an die Engel, an die Schrift und an die Propheten glaubte und das Geld, obwohl man es liebt, den Nahen, den Waisen, den Bedürftigen, dem Obdachlosen, den Bittenden und den Unfreien zukommen ließ und den Kontakt aufrechterhielt und zur Verbesserung beisteuerte. Die ihre Vereinbarung einhalten, wenn sie vereinbarten, und die in der Not, im Leid und wenn es schlimm zugeht, geduldig sind, das sind die Wahrhaftigen und das sind die Achtsamen

Was sind Ihre Gedanken zur Wahrhaftigkeit? Gibt es weitere Aspekte oder vielleicht auch ganz andere Sichtweisen?

 

Thema des Monats März 2014: Autoritäten – wer kontrolliert Ihre Gedanken?

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können. Einfach am besten spontan antworten!

 

Thema des Monats März 2014: Autoritäten – wer kontrolliert Ihre Gedanken?

Es gibt eine Krankheit, besonders bei einer überwältigenden Mehrheit der Mainstream-Muslime, die bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt die Vernunft nur soweit akzeptieren, wie sie ihre Weltsicht nicht gefährdet. So gibt es die Redewendung bei traditionalistischen Muslimen, die das selbständige Denken kritisieren, welche „die Überlieferung ist höher als die Vernunft“ lautet (an-naql ‚ala al-aql). Dieser Spruch besagt, dass die Vernunft an sich nicht die Wahrheiten erkennen könne, die doch schon bereits in der Tradition (Überlieferung) vorgedacht (vorgekaut) und niedergeschrieben wurden. So werden die früheren Gelehrten und ihre Werke zu Autoritäten erhoben, die bewusst oder unbewusst als Quellen der Weisheit fungieren und stellvertretend für uns denken.

 

9:31 Sie nahmen sich ihre Gelehrten und ihre Mönche als Herren anstelle Gottes, auch den Messias, den Sohn Marias. Und ihnen wurde nichts befohlen, außer einem einzigen Gott zu dienen. Kein Gott außer ihm. Gepriesen ist er über das, was sie beigesellen

 

Um diesen Einfluss loszuwerden, müssen wir zuerst den Irrglauben über den Haufen werfen, dass der Mensch stets jemand anderen bräuchte, der ihm die Angelegenheit X erklären muss, weil er selbst nicht dieselben „Fähigkeiten“, dieselbe „Intelligenz“ oder „Erfahrung“, dasselbe „Wissen“ oder dergleichen besitze. Um sich gedanklich zu befreien von solchen auferlegten Zwängen gibt es eine einfache Lösung: es gibt nur eine absolute, unhinterfragbare Autorität, nämlich Gott, weshalb das Glaubensbekenntnis, die Shahadah „la ilaha illa Allah“ auch wie folgt verstanden werden sollte:

Keine Autorität außer dem Gott

Widersprechen wir dieser Sichtweise, akzeptieren wir unbewusst oder auch bewusst andere Wesen neben Gott als Autoritäten über uns.

Jemand anderes kann Ihr Denken kontrollieren, wenn Sie nicht selbst das Steuerrad Ihres Denkens in der Hand halten. Woher und wieso akzeptieren wir eigentlich hervorgebrachte Definitionen von Wörtern wie „Terror“, „Demokratie“, „Freiheit“. Vieles von dem, was wir glauben, ist doch nur eine übergestülpte Ansicht der Meinungen von anderen, die wir nicht durch tiefere Einsicht gewonnen haben, oder etwa doch? Aufmerksamkeit und Bewusstsein sind die Stichworte, um diesem Effekt entgegenzutreten. Es gibt nämlich nicht nur „das“ Verständnis einer Sache, sondern ein Verständnis unter vielen, welches sich zusätzlich über Zeit noch ändern wird.

 

17:36 Und geh nicht einer Sache nach, von der du kein Wissen hast! Gehör, Augenlicht und Verstand, – für all das wird Rechenschaft verlangt.

 

Es ist doch tatsächlich so, dass das eigenständige Denken zu besseren Lösungen führt, das Auferzwingen von Meinungen im besten Falle verschwinden lässt und mehr zu einem „miteinander“ anleitet – ein sowohl-als auch statt einem entweder-oder. Wie befreit ihr euren Geist und eure Vernunft?

Thema des Monats Februar 2014: Vergeben

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Frieden sei mit euch liebe Leserinnen und liebe Leser, und Gottes Barmherzigkeit wie sein Segen!

So Gott will werden wir jeden Monat ein ausgewähltes Thema unseren Lesern zum Kommentieren anbieten. Damit möchten wir unseren Lesern die Möglichkeit geben, Einblicke zu erhalten, wie unterschiedlich die Menschen zum selben Thema denken können. Ähnlich einer Pinnwand, an der wir unsere Gedanken “pinnen” können, soll hier stichwortartig oder auch in mehreren Sätzen der eigene Gedanke verewigt werden. Einfach am besten spontan antworten!

 

Das Thema des Monats Februar 2014: Vergeben

 

42:43 Es ist gewiss eine große Angelegenheit, geduldig und vergebend zu sein

 

Es fällt uns nicht immer leicht zu vergeben. Wenn uns jemand verletzt oder uns Unrecht zugefügt hat, empfinden wir oft Wut, manchmal sogar Hass und Rachegedanken. In Vers 42:43 steht auch, dass es eine große Angelegenheit ist, es ist also Stärke, wenn wir verzeihen können.

Warum sollten wir vergeben? Zunächst einmal sollte man sich klarmachen, dass zu vergeben nicht bedeutet das Verhalten des anderen gut zu heißen, sondern etwas loszulassen, was geschehen ist und sich nicht mehr ändern lässt. Es bedeutet sich innerlich frei zu machen von Gefühlen wie Wut, Ärger oder Hass, welche unser Herz verhärten und uns deshalb selbst schaden. Nur wo Vergebung ist, ist auch Neuanfang. Das gilt sowohl in der Ehe, in der Freundschaft oder am Arbeitsplatz, als auch bei erlittenem Unrecht und nach Kriegen und auch gegenüber uns selbst. Echter Frieden und Neuanfang kann nur dort geschehen, wo Vergebung ist.

Und auch wenn es uns nicht immer leicht fällt – wie sollten wir nicht vergeben, wo doch Gott uns so vieles immer wieder vergibt, wenn wir aufrichtig bereuen?

 

4:106 und bitte Gott um Vergebung. Gott ist voller Vergebung und barmherzig

 

Was ist Ihre Meinung oder Ihre Erfahrung? Können Sie verzeihen oder gibt es Dinge, die Sie nicht verzeihen könnten? Fällt es Ihnen leicht oder eher schwer und können Sie sich auch selbst verzeihen, wenn sie etwas Falsches oder Unrecht getan haben?