Evolution

Islam und Evolutionstheorie – Vergleich dreier Ansätze

Auch 166 Jahre nach der Veröffentlichung von Charles Darwins Buch The Origin of Species (deutsch: Die Entstehung der Arten) wird immer noch über die Evolutionstheorie gestritten. Nicht so sehr in der Wissenschaft, wo dies normal ist und wo natürlich die Thesen von Darwin seitdem angepasst und erweitert wurden, sondern besonders unter religiösen Aktivisten. Gegner der Evolutionstheorie sind zum einen christlich-evangelikale Gruppierungen in den USA, die fordern, dass in Schulen statt oder zumindest neben der Evolutionstheorie die Erschaffung von Menschen und Tieren laut biblischer Darstellung gelehrt wird. In Europa wird von den hier dominierenden christlichen Kirchen die Evolutionstheorie nicht infrage gestellt; hier sind es eher Muslime, die die Evolutionstheorie ablehnen und dafür von christlicher Seite oft nicht ganz ernst genommen werden.

Zu den muslimischen Kritikern der Evolutionstheorie gehört der iranischstämmige, als Jugendlicher in die USA geschickte Seyyed Hossein Nasr, der sich in der muslimischen Umweltbewegung als früher Kritiker der Umweltzerstörung einen Namen gemacht hat – bereits 1966 wies er in einer Vorlesungsreihe an der Universität Chicago, auf der sein Buch „Man and Nature. The spiritual crisis of modern man“ beruht, auf das gestörte Verhältnis der modernen Menschen zu ihrer Umwelt hin, und seitdem hat er in vielen Veröffentlichungen die modernen Naturwissenschaften im allgemeinen und die Evolutionstheorie im besonderen kritisiert.

Auf der anderen Seite steht der türkische Professor Caner Taslaman, der in seinem Buch „Darf ein Muslim die Evolutionstheorie akzeptieren?“ selbiges aus theologischer Perspektive bejaht – auf wissenschaftlicher Ebene enthält er sich bewusst eines Urteils.

Shoaib Ahmed Malik ist Autor einer Untersuchung, in der er die Evolutionstheorie aus der ash’aritischen Perspektive al-Ġazālīs untersucht. Er kommt zum Schluss, dass aus dieser Perspektive zwar nicht die Evolution von Pflanzen, Tieren und den Menschen allgemein, wohl aber Adams und seiner Partnerin problematisch ist.

Die Argumentationen dieser drei Autoren werden im folgenden verglichen.

Hossein Nasr (Seyyed ist sein Ehrentitel, da er direkt vom Propheten abstammen soll, wird aber in der Literatur als Namensteil behandelt) stieß nach einer durch die Gottlosigkeit der Naturwissenschaften ausgelösten persönlichen Krise auf die durch René Guénon und Frithjof Schuon vertretene philosophia perennis, der er sich fortan verschrieb. Diese erkennt in allen traditionellen Religionen eine ewige Wahrheit. Praktisch vertritt Nasr aber ein neuplatonisches Weltbild, zu deren Kernpunkten die Vorstellung von archetypischen Arten gehört, die als Bild in Gottes Vorstellung existieren und sich in dem einzelnen Tier, der einzelnen Pflanze und dem einzelnen Menschen manifestieren. Die Entwicklung einer Art aus einer anderen sieht er daher als Unmöglichkeit. Auch könne aus toter Materie ohne göttliche Einwirkung kein Leben entstehen, wofür er physikalische und mathematische Argumente bringt. Daneben zieht er verschiedene Argumente von Wissenschaftlern gegen einzelne Aspekte der Evolutionstheorie, wie fehlende Bindeglieder in der Entwicklung oder das plötzliche Auftreten neuer Arten.

Caner Taslaman enthält sich bewusst der Beurteilung der wissenschaftlichen Aspekte der Evolutionstheorie. Stattdessen widmet er sich der Frage, ob theologische Gründe gegen sie sprechen. Er untersucht die wichtigsten theologischen Argumente der muslimischen Gegner der Evolutionstheorie, wobei er davon ausgeht, dass Muslime alles glauben dürfen, was nicht im Widerspruch zu allen plausiblen Interpretationen der entsprechenden Koranverse steht. Hadithe (Prophetenüberlieferungen) hält er nur für relevant, sofern sie mutawātir (weit verbreitet) sind, d.h. in allen Generationen von mehreren Überlieferern übermittelt wurden. Der Großteil aller gesammelten Hadithe erfüllt dieses Kriterium nicht.
Shoaib Ahmed Malik legt zur Unterscheidung erlaubter von unerlaubten Glaubenssätzen die Maßstäbe al-Ġazālīs an. Dieser sieht ebenfalls nur mutawātir-Hadithe als so verbindlich an, dass ihre Ablehnung als Unglauben bezeichnet werden dürfe. Für die Interpretation von Koranversen legt er allerdings strengere Maßstäbe an und verlangt zunächst eine wortgetreue Auslegung; nur wenn diese der Logik widerspricht (die von Alltagserfahrungen zu trennen ist), erlaubt er die nächsthöhere von fünf Abstraktionsstufen.
Im Gegensatz zu Nasr sind sich Taslaman und Malik einig, dass die Evolutionstheorie dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht, auch wenn sie sich (und die Muslime) nicht auf sie festlegen wollen.

Allen drei Autoren ist bewusst, dass die Evolutionstheorie oft mit Atheismus in Verbindung gebracht wird. Während Nasr diesen Zusammenhang bekräftigt und sie aus diesem Grund ablehnt, argumentieren Taslaman und Malik gegen diese Verbindung. Taslaman listet verschiedene Kombinationsmöglichkeiten der beiden Variablen Gottesglaube und Glaube an die Evolutionstheorie auf und schlussfolgert, dass es ebenso atheistische Gegner der Evolutionstheorie wie auch gläubige Verfechter der Evolutionstheorie gibt. Malik untersucht einen der Kernbegriffe der Evolutionstheorie, den Zufall, und legt dar, dass Zufall nur bedeutet, dass die Menschen (noch) keine Voraussagen über ein Ereignis machen können; Gottes umfassende Kenntnis sei davon aber unberührt. Beide wenden sich gegen die Vorstellung eines „God of Gaps“, d.h. Gott als Erklärung für das Unerklärliche, was Gottes Rolle unzulässig reduziere und zur Folge habe, dass Wissen abgelehnt werde, um Gottes Position nicht zu gefährden. Taslaman stellt dem einen „God of Creation“ gegenüber, der die Welt und die Naturgesetze erschaffen hat und uns die Aufgabe gestellt hat, sie zu ergründen.

Sowohl Taslaman als auch Malik setzen sich mit der Vorstellung von Wundern auseinander. Taslaman definiert Wunder als „einen Vorfall, der jemandem seine Unfähigkeit bewusst macht“, was jedoch nicht bedeute, dass das Wunder gegen Naturgesetze verstößt. Er gesteht Gott zu, mit oder gegen die Naturgesetze zu wirken, neigt aber zur Vorstellung, dass Gott mit den Naturgesetzen, d.h. seinen eigenen Gesetzen handelt. Malik dagegen argumentiert mit den Ash’ariten, das, was wir als Naturgesetze wahrnehmen, sei in Wirklichkeit nur eine Angewohnheit Gottes, die jederzeit geändert werden könne. Jedes scheinbare Ursache-Wirkungs-Pronzip sei in Wirklichkeit nur Korrelation. Allein an logische Zusammenhänge sieht er auch Gott gebunden.

Kun fa yakūn – Erschafung aus dem Nichts?

Einer der koranischen Begriffe, die von den Autoren diskutiert werden, ist das kun fa yakūn: wenn Gott etwas erschaffen will, sagt Er nur: Sei! Und es ist (ähnlich dem biblischen: Es werde Licht! Und es ward Licht). Nasr versteht dies als Neuerschaffung in jedem Augenblick, was gegen jede materielle Kausalität spreche. Er stellt diese vertikale Kausalität der horizontalen Kausalität., die er in der Evolutionstheorie vertreten sieht, gegenüber. Taslaman dagegen argumentiert, der Ausdruck bedeute nur, dass Gott die letztendliche Kraft hinter allem ist, aber nicht, wie Gott erschaffe. Materielle Kausalketten sieht er als eine plausible Möglichkeit des Wirkens Gottes. Das Wort fa (dann) versteht er nicht zwangsläufig als sofort, sondern verweist auf andere koranverse, in denen zwischen Gottes Befehl und dem Resultat längere Zeit vergeht, wie bei Marias Schwangerschaft mit Jesus. Gerade in der Ablehnung der Prozesshaftigkeit sieht er eine unzulässige Einschränkung von Gottes Allmacht. Malik versteht den Begriff als Ausdruck von Gottes Allmacht, alles nach Seinem Willen zu gestalten, auch wenn es den Naturgesetzen zuwiderläuft.

Erschaffung Adams aus Schlamm

Entsprechend zum vorherigen Punkt argumentiert Taslaman, dass die Feststellung, dass Gott Adam aus Schlamm erschaffen habe, nicht bedeute, dass dies unmittelbar geschehen sei. Er weist darauf hin, dass die Menschen aus den gleichen Elementen wie Schlamm bestehen, dass ihre Nahrung direkt oder indirekt aus dem Boden hervorkommt: Pflanzen, die darin wachsen, oder Tiere, die diese Pflanzen fressen. Malik hebt den Vers hervor, nach dem Gott Adam mit seinen eigenen beiden Händen erschuf, gesteht aber, dass die genaue Bedeutung dieser Besonderheit unklar bleibt.

Hatte Adam Eltern?

Einer der Verse, auf die sich die Gegner der Evolutionstheorie beziehen, ist 3:59, in dem Adam und Jesus gleichgesetzt werden: „Siehe, vor Gott gleicht Jesus Adam. Aus Staub erschuf er ihn, dann sagte er zu ihm: «Sei!» Und dann war er.“ Neben der oben diskutierten Problematik des „fa“ stellt sich hier auch die Frage, worin sich Adam und Jesus gleichen. Malik geht mit der Mehrzahl der Gelehrten davon aus, dass die Vaterlosigkeit beider das gemeinsame Merkmal ist, und schließt daraus, dass aus der Perspektive al-Ġazālīs, die eine wörtliche Interpretation verlangt, solange nicht gegen die Logik verstoßen wird, Adam nicht Teil einer evolutionären Entwicklung sein könne; Taslaman dagegen argumentiert umgekehrt, dass Jesus offensichtlich eine Mutter hatte, was darauf hinweise, dass Adam ebenfalls eine Mutter hatte. Er weist auf 19:9 hin wo Zacharias von Gott gesagt wird, Er habe ihn erschaffen, „als du noch nichts warst“, und niemand gehe von einer Elternlosigkeit des Zacharias aus. Nasr verweist auf Ibn ʿArabīs Interpretation des koranischen Adam als „aus dem Nichts erschaffen“, bezieht sich aber nicht auf konkrete Koranverse.

min nafsin wāḥidatin – der gemeinsame Ursprung

Malik setzt die eine nafs (nafs hat verschiedene Bedeutungen wie Zelle, Wesen, Selbst), aus der Gott ihr Partnerwesen (zauǧ) erschuf, mit Adam und seiner Frau Eva gleich, mit verweis auf 49:13, wo in ähnlicher Weise von einem Männlichen und einem Weiblichen die Rede ist. Er führt zwei Interpretationsmöglichkeiten an: die Erschaffung Evas aus der Rippe Adams entsprechend der landläufigen biblischen Interpretation (das als Rippe übersetze hebräische Wort kann allerdings auch Seite bedeuten und dann eine Zweiteilung des ursprünglichen Menschen meinen), sowie „von gleicher Art“ im metaphysischen Sinn. So oder so schließt er aus den Versen auf eine wundersame Erschaffung Evas. Taslaman weist die Interpretation der Erschaffung Evas aus Adams Rippe als frauenfeindlich und zudem nicht vom Koran belegt zurück; diesbezügliche Überlieferungen hält er für nicht vertrauenswürdig. Stattdessen nimmt er die Interpretation von nafs als „von gleicher Art“ an und führt als Beleg weitere Koranverse wie 3:164 an, der einen Gesandten min ʾanfusihim (von ihnen) für die Gläubigen erwähnt, der offensichtlich nicht aus einem Körperteil der Gläubigen entstanden sei, sondern auf Gleichartigkeit und Zugehörigkeit verweise. Außerdem passe zauǧ vom Genus her nicht zu Eva; wäre sie gemeint, müsse im Vers zauǧata stehen (im Koran wird allerdings nie das feminine Wort zauǧata verwendet, auch wenn offensichtlich Frauen gemeint sind; das gemeinte Geschlecht bleibt hier also offen).

Wo liegt der Garten Eden?

Alle drei Autoren beschäftigen sich mit der als hubūt bezeichneten Ausweisung Adams und seiner Partnerin aus dem (Paradies-)Garten. Da die Evolution von einer Entwicklung des Lebens auf der Erde ausgeht, wird die Frage, wo die Menschen erschaffen wurden, als bedeutsam für deren Gültigkeit angesehen. Taslaman stellt zunächst fest, dass der Begriff ǧanna nur „Garten“ bedeute und im Koran sowohl für die jenseitige Bleibe als Belohnung für gute Taten verwendet werde als auch für irdische Gärten (18:32, 17:91, 68:17). Er verweist auf die traditionellen Gelehrten Māturīdī und Abū Hanīfa, die die Ansicht vertreten hätten, Adam sei in einem diesseitigen Garten erschaffen worden. Aus dem Vergleich von 2:30 und 38:26, die von der Berufung Adams bzw. Davids zum ḫalīfa (Nachfolger, Stellvertreter) berichten, schlussfolgert er, da David ḫalīfa im Diesseits war, müsse dies auch auf Adam zutreffen. Als weiteres Argument dient ihm der Verweis darauf, dass Adam aus Schlamm, einem Rohstoff der Erde, erschaffen wurde. Zudem weist er darauf hin, dass Satan Adam Unsterblichkeit versprach. Damit dies Adam verlockend erschien, müsse Adam aber den Tod gekannt haben, was ebenfalls auf eine irdische Existenz verweise, da es im Paradiesgarten keinen Tod und kein Sterben gebe und er außerdem der letzte Aufenthalt sei (15:48). Außerdem hätte Iblīs den Garten, der den guten Menschen vorbehalten bliebe, gar nicht betreten dürfen, und im Paradiesgarten seien alle Früchte erlaubt, während Adam die Frucht eines Baumes verboten wurde. Abschließend erwähnt Taslaman, dass der Begriff hubūt unterschiedlich gedeutet werde, er aber die Bedeutung eines Ortswechsels bevorzuge, analog zu 11:48 und 2:61, in welchen Noah aufgefordert wird, die Arche zu verlassen bzw. Moses sein Volk auffordert, nach Ägypten zurückzugehen.

Ebenso wie Taslaman erwähnt Malik die zwei Interpretationen der Erschaffung Adams im Jenseits oder im Diesseits. Daraus schließt er in Anlehnung an al-Ġazālīs Methodik, eine Interpretation in die eine oder andere Richtung könne nicht zur Bezichtigung des Unglaubens führen. Selbst die Annahme der Erschaffung Adams im Jenseits scheint ihm aber nicht im Widerspruch zur Evolution, da Adam nach seinem Herabfallen auf die Erde sich evolutionär habe fortpflanzen können.

Nasr erwähnt die Interpretationen, nach denen der Garten Adams im Diesseits lag, verwirft diese aber und bezichtigt sie der Blasphemie, da diese Ansicht die Muslime ihrer Hoffnung auf das Jenseits beraube (wobei er ignoriert, dass ja nicht das Paradies als Endziel verneint wird, sondern das als Ursprung). Er bezieht sich auf die 1400-jährige islamische Tradition, ohne abweichende Meinungen innerhalb dieser Tradition zu erwähnen, wie sie Taslaman und Malik benennen. Letztere sieht er als modernes Phänomen des scientism, also der modernen Naturwissenschaften als Maßstab der Wahrheit. Er hebt die Abwärtsbewegung des Menschen vom paradiesischen Zustand hin zur Erde hervor, die für ihn die Basis aller Ethik bildet, weil diese hin zum ursprünglichen höheren Zustand strebe, im Gegensatz zur Evolutionstheorie, die von einer stetigen Verbesserung ausgehe.

Menschenwürde

Als weiteres Argument der Gegner der Evolutionstheorie dient die Menschenwürde, die ihnen verletzt scheint, wenn der Mensch in einem Verwandtschaftsverhältnis zu Affen und sogar Moskitos steht. Malik zitiert 95:4 und 17:70, um auf die herausgehobene Stellung des Menschen gegenüber dem Rest der Schöpfung hinzuweisen, erwähnt aber auch, dass diese Stellung an den Gottesglauben gebunden sei; fehle dieser, so führe dies zur Erniedrigung des Menschen. Auch führt er weitere Verse an, die den Menschen als übereilt, geizig, gierig und schwach verurteilen. Entsprechend erklärt er die positiven Beschreibungen des Menschen als Potentiale, die aber in vielen Fällen nicht ausgeschöpft würden. Die Würde des Menschen sieht er nicht im Gegensatz zur Evolution, da der Mensch durch die Befolgung von Gottes Gesetzen einen hohen Status erreichen könne, der eben nicht an physische Merkmale gebunden sei. Auch Taslaman weist darauf hin, dass der Status der Menschen laut Koran nicht an Abstammung und physischen Merkmalen festgemacht werde. Die Erschaffung des Menschen aus Schlamm verringere seine Würde nicht. Als weitere Argumente führt er an, dass Iblīs für seinen Hochmut bezüglich seiner Abstammung von Gott verdammt werde, dass Pharao als Mensch und Abū Lahab als enger Verwandter des Propheten Muhammad weder der Würde der Menschen noch der des Propheten schaden könnten, moralisch verwerfliche Menschen dagegen als schlechter als das Vieh bezeichnet werden (25:44). Tiere würden dagegen im Koran durchaus positiv gezeichnet, wobei er allerdings die Verse übergeht, in denen Menschen zur Strafe in Affen verwandelt werden (2:65, 5:60, 7:166). Auch wenn man die Verwandlung metaphorisch versteht, bleibt doch eine negative Konnotation der Affen.

Nasr sieht in der Evolutionstheorie eine Reduzierung des Menschen auf molekulare Strukturen, so dass zwischen Mensch und Moskito kein qualitativer Unterschied mehr gesehen werde. Hier verweist er wieder auf die archetypische Form jeder Art, die bei Gott hinterlegt sei.

Schlussfolgerungen

Alle drei Texte enthalten interessante Aspekte bezüglich des Verhältnisses von Islam und Naturwissenschaften im allgemeinen und Islam und Evolution in besonderen.
Nasrs fundamentale Kritik an den modernen Wissenschaften mag zwar oft zu allgemein erscheinen und sich mehr für große Ideen als detaillierte Untersuchungen interessieren, dennoch ist es hilfreich, seine Kritik im Gedächtnis zu behalten, wenn Naturwissenschaft als höchste Instanz für die Probleme unserer Gesellschaft gesehen wird. Naturwissenschaft allein kann eben keine ethischen Maßstäbe setzen, wie Nasr richtig kritisiert; dafür braucht es die Religion(en) und/oder die Philosophie. Auch ist seine Warnung, den Gottesbezug in der modernen Gesellschaft nicht zu verlieren, hilfreich und wichtig. Auf der anderen Seite hilft die pragmatischere Herangehensweise von Malik und Taslaman, einen produktiven Umgang mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften zu finden.

Nasrs Vorwurf der Blasphemie und des Unglaubens an alle, die seiner konkreten Auslegung des Islam nicht folgen, wird der innerislamischen Vielfalt nicht gerecht. Darüber hinaus ließe sich an der Archetypenlehre vom theologischen Standpunkt her kritisieren, dass sie nur davon ausgeht, dass Gott die Arten kennt; wenn man dagegen davon ausgeht, dass Gott jedes einzelne Lebewesen kennt, spricht nichts dagegen, dass sich die jeweiligen einzelnen Lebewesen nach und nach von einer Art zu einer anderen Art entwickeln. Wenn man aber davon ausgeht, dass Gott alles in jedem Augenblick neu erschafft und jegliche scheinbare Kausalität in Wirklichkeit nur Korrelation ist, wie sowohl die Ashʿariten als auch Nasr argumentieren, verliert auch die Aufteilung in Arten ihren Sinn, weil die eine Ameise, um in Nasrs Bild zu bleiben, nichts mit der anderen Ameise zu tun hat und sogar dieselbe Ameise jetzt nichts mit der Ameise vor einer Minute.

Die von Nasr postulierte Abwärtsbewegung der menschlichen Geschichte steht im Widerspruch zu koranischen Aussagen, nach denen schon frühere Gesellschaften sündigten und die Gewohnheiten der Vorväter nicht den Maßstab des Handelns bilden sollten (den vielen Versen zu diesen beiden Themen steht nur ein Vers gegenüber (56:13), laut dem einige von den Früheren und wenige von den Späteren die höchsten Ränge des Paradieses erreichen werden).

Maliks und Taslamans Positionen sind aus der jeweiligen Perspektive schlüssig, wobei nicht alle Argumente gleich überzeugend sind. So könnte die ḫalīfa-Analogie von Adam und David auch so gedeutet werden, dass Gott den Fall Adams vorausgesehen und ihm die ḫalīfa-Rolle für seine Zeit danach zugedacht hatte; die Unkenntnis über das Material des Paradiesgartens schließt nicht aus, dass dort auch Schlamm vorhanden ist.

Maliks Stärke ist vor allem die systematische Bearbeitung seines Themas. Er legt alle Schritte dar, beschäftigt sich eingehender als die anderen Autoren mit dem tatsächlichen Inhalt der Evolutionstheorie, mit den verschiedenen Positionen innerhalb des muslimischen und christlichen Diskurses über die Evolutionstheorie und benennt klar die von ihm gemäß Ġazālī angelegten Maßstäbe. Es ist nachvollziehbar, wie er zu dem Ergebnis kommt, die Evolution der Pflanzen und Tiere sowie der meisten Menschen sei mit Ġazālīs Vorstellungen vereinbar, nicht aber die Erschaffung Adams. Dennoch bleibt sein Ergebnis m. M. unbefriedigend, da die unmittelbare Erschaffung eines Menschenpaares, nachdem die Menschheit sich bereits durch die Evolution entwickelt hat, sinnlos erscheint. Der aschʿaritische Einwand darauf wäre natürlich, dass Gottes Handeln nicht hinterfragt werden darf und Gott frei ist, das uns sinnvoll oder sinnlos erscheinende zu tun. Aus einer eher rationalistischen Perspektive überzeugt dies aber weniger.

Bei vielen eher traditionell orientierten Muslimen scheint Malik Türen zu öffnen, sich überhaupt wohlwollend mit der Evolutionstheorie auseinanderzusetzen. Geht man vom Koran als einzig verbindlicher Quelle des Islam aus, ist Taslamans Haltung des „theologischen Agnostizismus“, d.h. der Enthaltung von theologischen Urteilen über wissenschaftliche Fragen wie die der Evolution, aber überzeugender, solange die wissenschaftliche Theorie auf der beschreibenden Ebene bleibt.

Literatur

Malik, Shoaib Ahmed: Islam and Evolution: Al-Ghazālī and the Modern Evolutionary Paradigm. Abingdon: Routledge, 2021.
Nasr, Seyyed Hossein: Man and Nature. The Spiritual Crisis of Modern Man. London: Unwin Paperbacks, 1976 (1968).
Nasr, Seyyed Hossein: Knowledge and the Sacred. State University of New York Press, 1989.
Nasr, Seyyed Hossein: „On the Question of Biological Origins“. In: Islam & Science. 4.2 (Winter 2006): 181-197.
Taslaman, Caner: Darf ein Muslim die Evolutionstheorie akzeptieren? Übersetzt aus dem Türkischen von Memduh Turan.
https://www.canertaslaman.com/2020/05/05/darf-ein-muslim-die-evolutionstheorie-akzeptie/?lang=de

Wissenschaftliche Analyse der Schöpfungsgeschichte

Teil 1: Entstehung und Schöpfung des Menschen

Wissenschaftlich-philosophische Analyse der Schöpfungsgeschichte

Obwohl die Evolutionstheorie von der Orthodoxie geleugnet wird und jegliche Versuche zu deren Widerlegung und Manipulation der Massen unternommen werden, gibt es mehrere Verse im Koran, die diese Theorie stützen. Allerdings wird ebenfalls die wissenschaftliche Annahme, die Schöpfung basiere ausschließlich auf dem Prinzip des Zufalls und der Notwendigkeit verworfen (siehe auch: Göttlich kontrollierte Evolution). Im Folgenden werden die Verse aufgelistet, die von einem Prozess, der in mehreren Stufen verlief, berichten und somit auf einen Evolutionsprozess hinweisen.

71:13-14 Was ist euch, dass ihr von Allah nicht Weisheit und Gesetztheit erwartet, da Er euch doch in verschiedenen Stufen und verschiedenen Formen erschaffen hat?

82:7-8 Der dich erschuf und dann dich vollendete und gestaltete? In der Form, die Ihm beliebte, hat Er dich gebildet.

76:1 Wahrlich, es kam über den Menschen eine Zeit, da er nichts Nennenswertes war.


Natürlich ist es möglich diese Verse auf die Embryologie zu beziehen, denn auch dies wäre zutreffend. Allerdings gibt es auch Aussagen darüber, welche Voraussetzungen für die Entwicklung gegeben sein mussten. Wir finden Referenzen zu einer Entwicklung aus:

  1. Wasser (24:45; 21:30)
  2. Lehm, Schlamm, Erde, Staub (6:2, 7:12, 15:25, 15:28, 15:33, 20:53-55, 23:12, 37:11, 18:37)

Auch die moderne Wissenschaft bestätigt mit der Theorie zur Mikroevolution eine Entwicklung von Leben im Wasser aus anorganischen Bestandteilen (Erde/Schlamm/Staub) und die Katalysation der chemischen Reaktion an feuchten Lehm- und Tonmineralien, an denen konstante biochemische Verbindungen entstanden, nachdem der Lehm austrocknete. Ist es ein Zufall dass im Koran einmal von feuchtem Lehm und dann wieder von trockenem Ton die Rede ist oder ein Hinweis auf die Richtigkeit dieser noch relativ neuen Erkenntnisse?

Lehm als Voraussetzung für die Entstehung höherer Lebensformen

Amerikanische Wissenschaftler der University of California entdeckten einen Zusammenhang zwischen dem Auftauchen größerer Mengen von Lehm- und Tonmineralien und den ersten komplexeren Lebensformen. Ihrer Theorie zufolge verhinderten die Tonmineralien die Oxidation von organischen Bestandteilen aus dem Meer. Als Folge dessen wurde weniger Sauerstoff verbraucht, welcher sich in der Atmosphäre und im Meer anreichern konnte und die Voraussetzung für das Auftauchen komplexerer Organismen war.

Die Orthodoxie sollte sich Gedanken darüber machen, ob die Notwendigkeit zur Leugnung der Herrlichkeit Gottes und seiner Schöpfung weiterhin bestehen muss und ob das Wunder der Schöpfung durch wissenschaftliche Beweise an Intensität verliert. Ist es nicht ein größeres Wunder, dass Gott im Koran das bestätigt, was wir erst heute zu verstehen beginnen?

Teil 2: Die Erkenntnis, der Sündenfall und das Ziel

Der zweite Teil dieser Analyse soll sich mit der geistigen Entwicklung, welche ebenfalls auf mehreren Stufen verlief, beschäftigen.

2:30 Und als dein Herr zu den Engeln sprach: „Wahrlich, Ich werde auf der Erde einen Nachfolger einsetzen“, sagten sie: „Willst Du auf ihr jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt, wo wir doch Dein Lob preisen und Deine Herrlichkeit rühmen?“ Er sagte: „Wahrlich, Ich weiß, was ihr nicht wisst.“


Gott entschied sich, auf der Erde ein Lebewesen zu erschaffen, welches sich von allem bisher da gewesenen unterschied. In folgenden Versen erfahren wir, wo dieser Unterschied lag.:

2:31-33 Und Er brachte Adam alle Namen bei, dann brachte Er diese vor die Engel und sagte: „Nennt mir die Namen dieser Dinge, wenn ihr wahrhaftig seid!“ Sie sprachen: „Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast; wahrlich, Du bist der Allwissende, der Allweise.“ Er sprach: „O Adam, nenne ihnen ihre Namen!“ Und als er ihnen ihre Namen nannte, sprach Er: „Habe Ich nicht gesagt, dass Ich das Verborgene der Himmel und der Erde kenne, und dass Ich kenne, was ihr offenbart und was ihr verborgen gehalten habt.“


Der Unterschied bestand offensichtlich in der Fähigkeit zur Abstraktion von Gedanken. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen war der Mensch in der Lage, Dinge eindeutig zu identifizieren und seine Gedanken insofern zu abstrahieren, dass er dem Erkannten Bezeichnungen zuschrieb. Er konnte „ihre Namen nennen“. Es wird hier demnach ein bestimmter evolutionärer Entwicklungsstand beschrieben. Diese Angaben beinhalten die Aussage über die Definition des Menschlichen, was ihn von anderen Lebewesen/Materien unterscheidet. Auf dieser Entwicklungsstufe befand sich der Mensch noch in einem Zustand, der als Garten (Garten Eden als synonym für Paradies) bezeichnet wird.
Interessanterweise ist auch im Koran von einem Zustand die Rede, was uns zeigt, dass der „Garten“, welcher hier beschrieben wird, kein Synonym für einen anderen Ort oder eine andere Dimension darstellt.

2:36 Doch Satan ließ sie dort straucheln und brachte sie aus dem Zustand heraus, in dem sie waren.


Durch die Fähigkeit zur Abstraktion erlangte der Mensch auch die Möglichkeit in gewissen eng gelegten Grenzen eigenständige Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel an anderen Lebewesen und Materie soll dies verdeutlichen. Bis auf den Menschen fügen sich alle Lebensformen (unter diesen Begriff soll in unserem Fall alles Existierende fallen; z.B. Tiere, Planeten, Steine etc.) ohne Ausnahme und ohne die Möglichkeit selbstständig zu handeln in ein göttliches System ein. Ein jedes erfüllt in diesem System bestimmte fest definierte Aufgaben und befindet sich in einem Kreislauf, aus dem es nicht ausbrechen kann und innerhalb dessen es keine Möglichkeit besitzt eigenständig zu handeln. Ein Asteroid wird seine Umlaufbahn nicht verlassen, bis nicht ein Ereignis eintritt, welches ihn dazu zwingt, dies zu tun. Hierauf hat er jedoch keinen Einfluss, denn das von Gott erschaffene immanente System legt die Regeln fest, nach welchen sich der Asteroid verhalten wird.
Ebenso handelt ein Tier lediglich nach seinen von Gott gegebenen Instinkten. Allein aufgrund des Umstandes, dass eine Maus eine Maus ist, lassen sich Voraussagen darüber treffen, wie sich diese in einer bestimmten Situation verhalten wird. Auch sie hat nicht die Möglichkeit, aus dem System auszubrechen, denn die Voraussetzungen hierfür sind nicht vorhanden.

Das, was den Menschen von den anderen Lebewesen unterscheidet, ist die Fähigkeit, aus dem System in wiederum definierten Grenzen „auszubrechen“, was durch seine Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und nach diesen aufgrund seines begrenzt freien Willens zu handeln oder sie zu unterlassen, verursacht wird. Ursprünglich existierte der Mensch ebenfalls in dem System in den gleichen Grenzen, wie die anderen Lebewesen, mit dem Unterschied der höheren Intelligenz und Abstraktionsfähigkeit (paradiesischer Zustand). Um zu verstehen, was nun zu dem Fall aus dem Paradies führte müssen wir uns von der Vorstellung freimachen, dass dies, wie im betrachteten Fall bereits erläutert wurde, eine andere Dimension oder einen anderen Ort darstellt. In 2:30-35 wird der Zustand Paradies, in dem sich die Menschen als Teil des göttlichen Systems begriffen, beschrieben.

Der Sündenfall

2:35 Und Wir sprachen: „O Adam, verweile du und deine Gattin im Garten und esst uneingeschränkt von seinen Früchten, wo immer ihr wollt! Kommt jedoch diesem Baum nicht nahe, sonst würdet ihr zu den Ungerechten gehören.“


Ein Prozess, welcher im Koran als Einflüsterung Satans beschrieben wird, führte zum Verlassen des Paradieses. Gott ließ es zu, dass Mensch ungehorsam wurde, indem er Iblis die Möglichkeit eröffnete, ihn zu verführen. In diesem Fall wurde die dem Menschen zugestandene Besonderheit auf die Probe gestellt. Die verbotene Frucht, welche im Koran nicht näher definiert wird, laut Bibel jedoch vom „Baum der Erkenntnis“ stammen soll, was in 7:20-22 indirekt bestätigt wird ( die Scham wurde ihnen offenbar), macht deutlich, dass der Prozess, welcher zum Fall aus dem Paradies führte, die Menschwerdung im eigentlichen Sinne beschreibt. Der Mensch verließ das Paradies, indem er nach Erkenntnis strebte und diese erlangte, durch die Fähigkeit das Gute vom Schlechten zu unterscheiden (die Nacktheit als Beispiel hierfür).

Das Ziel

2:38-39 Wir sprachen: „Geht hinunter von hier allesamt! Und wenn dann zu euch Meine Rechtleitung kommt, brauchen diejenigen, die Meiner Rechtleitung folgen, weder Angst zu haben, noch werden sie traurig sein.“ Diejenigen aber, die ungläubig sind und Unsere Zeichen für Lüge erklären, werden Bewohner des Feuers sein, in dem sie auf ewig verweilen sollen.


Durch die Erkenntnis lud Mensch sich die schwere Bürde auf, in einen dem ursprünglichen Zustand äquivalenten Zustand, zurückzukehren. Dieser Zustand kann deshalb nicht als gleich, sondern nur als äquivalent bezeichnet werden, da er in letzterem Fall nach Erkenntnis und auf einer anderen Bewusstseinsebene erreicht wird, als der ursprüngliche Zustand, bei dem dieses Bewusstsein in geringerem Maße oder gar nicht vorhanden war. Sollte Mensch dieses Ziel erreichen, kann er auf höherer Ebene in das göttliche System als vollständiger Teil dessen zurückfinden, indem er Gottes Willen ausführt. Voraussetzung hierfür ist eine wiederum höhere Erkenntnisstufe, die Gotteserkenntnis, die nicht auf Nachahmung sondern auf selbstständiger Reflexion beruht und deren Richtlinien in den Heiligen Schriften beschrieben werden.

Viele Gläubige berichten davon, dass das Paradies für sie bereits in diesem Leben beginnt. Ungläubige Menschen hingegen sind oft mit allem unzufrieden, depressiv und schaffen es nicht, das „Paradies auf Erden“ zu erlangen. Somit fügt sich ein Gesamtbild zusammen, welches die meisten Zweifel beseitigt und eine logische Erklärung für die im Koran dargestellten Zusammenhänge liefert.

Hinweise auf den Autor des Koran

Ich suche Zuflucht bei Gott, vor dem verfluchten Teufel
Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Wer schrieb den Koran? Die Antwort der Nicht-Muslime auf diese wichtige Frage lautet üblicherweise wie folgt: „Der Koran wurde von einem Menschen verfasst; es ist keine wörtliche Offenbarung Gottes. Es ist ein Buch, das durch menschliche Intelligenz geschaffen wurde, so wie jedes andere Buch. Es wurde, als eine historische Tatsache, von Mohammed im siebten Jahrhundert n. Chr. geschrieben.“

Falls dies Ihre Sicht sein sollte, dann seien Sie versichert, dass Sie viele in dieser Hinsicht unterstützen! Dennoch sollten Sie auch wissen, dass diese Sicht der Dinge nicht ohne weitere Schwierigkeiten angenommen werden kann. Um daran zu glauben, was oben geschrieben wurde, müssen Sie auch glauben, dass Mohammed…

… wusste, dass die Erde und die Himmelskörper vorher ein einziger Punkt waren und getrennt wurden (21:30)

Was mehr…

Wenn Sie nicht glauben, dass er Zugriff auf spezielles Wissen hatte, welches es ihm möglich machte, die moderne Big Bang Theorie zu prophezeien – eine Theorie, die den Arabern des 7. Jahrhunderts vollkommen unbekannt war – dann müssen Sie schlussfolgern, dass 21:30 des Koran bloß ein verblüffender Zufall ist, etwas zufällig richtig zu erhalten. Vielleicht ist diese Passage wirklich nur ein verblüffender Zufall. Wenn es so sein sollte, ist es nicht der einzige. Dieser Mann, der angebliche „Autor“ des Koran, müsste ebenfalls…

… gewusst haben, dass die Zeit relativ ist (22:47; 23:112-114; 70:4), ein Thema, dass den Arabern dieser Zeit gleicherweise unbekannt war.

Entweder besaß er eine außergewöhnliche Quelle des Wissens, die es ihm erlaubte dieses Thema vor fast 1400 Jahren vor Einstein zu besprechen oder wir betrachten ein weiteres Mal einen verblüffenden Zufall.

Was ist es?

Die meisten Nicht-Muslime werden bei diesen Zeilen instinktiv antworten: „Sogar wenn dies bedeutet, dass der Text des Korans eine zweite, erstaunliche, zufällige Eigenschaft besitzt, so ist die naheliegende Erklärung, dass beide Passagen lediglich Beispiele der zufälligen Ereignisse sind.“

Und doch…
Bedenken Sie, dass der gleiche Autor des Korans es ebenso…

… wusste, dass das Universum expandiert (51:47).

… wusste, dass Materie in Paaren geschaffen ist (36:36). (Übrigens: diese Entdeckung ließ den Wissenschaftler Paul Dirac den Nobelpreis in 1933 gewinnen.)

… wusste, dass die moderne, biologische Wissenschaft es wissen wird, dass die Gründung des Lebens auf der Erde auf Wasser basiert (21:30).

… wusste, dass das Eisen nicht auf der Erde heimisch war, sondern von einer außerirdischen Quelle entstammt (57:25).

… wusste, dass der Planet Erde eine Umlaufbahn verfolgt (27:88; 21:33).

… wusste, dass ebenfalls die Sonne eine Bahn verfolgt (36:38; 55:5), wie es in der Tat durch moderne Astronomie bewiesen wurde.

… wusste, dass die Atmosphäre der Erde wie ein schützendes Schild für lebende Kreaturen ist (21:32).

… wusste, dass die Abschnitte der menschlichen Entwicklung in der Gebärmutter sich in einer spezifischen, beschreibbaren Sequenz ergeben (23:14), die durch Experten der modernen Embryologie bestätigt wurde.

… wusste, dass die Wurzeln der Gebirge tief bis in die Erde greifen und Stöße abfangen bzw. vorbeugen können (21:31).

… wusste, wie die Einzelheiten des Regenszyklusses der Erde funktionieren, was bis ins 20. Jahrhundert ein Mysterium für viele Wissenschaftler war (30:48).

… wusste, was die modernen Ozeanographen nun gelernt haben, nämlich dass die angrenzenden Ozeane aufeinandertreffen, aber sich nicht miteinander vermischen (55:19-20).

… wusste, dass die Ozeane komplexe, unterirdische Wellenstrukturen besitzen (24:40).

… wusste, dass in Honigbienen-Gesellschaften die Arbeiter nur weiblich sind (16:68-69). (Die arabische Verbform kann nur mit weiblichen Wesen assoziiert werden).

… wusste, sieben Jahre bevor es eintraf, dass die erniedrigte, byzantinische Armee seiner Tage sich regenerieren und einen größeren Sieg für sich sichern würde, welches in der Tat schließlich gegen die Perser eintraf (30:1-4).

… zwei Jahre vorher bereits wusste, dass Mohammed Mekka siegreich betreten würde (48:27).

… wusste, dass der Körper bzw. die Leiche Pharaos, der sich gegen Moses aufstellte, für die nachkommenden Generationen konserviert sein würde (10:91-92) – heute ist sie im „Royal Mummies Chamber of the Egyptian Museum“ zur Ansicht bereitgestellt.

… wusste, den ägyptischen Herrscher zur Zeit Josefs als König (aziz-malik) und nicht als Pharao zu bezeichnen (12:54), was aber im Buch Genesis irrtümlicherweise gemacht wird.

… wusste, dass die arabische, verlorene Stadt Iram (89:6-8), dessen historische Existenz von Archäologen erst in 1990 bestätigt wurde, eine historische Wahrheit war.

… wusste, dass die ehemalige Flut, welche die südlichen Araber von Saba von ihrem Staudammsystem entriss (34:15-17), gleicherweise von moderner Archäologie bestätigt, eine historische Wahrheit war.

… den Namen von Haman wusste (28:38), eine historische Persönlichkeit nahe dem Pharao zur Zeit Moses… trotz den Problemen, dass a) der Name Haman nicht in der Tora-Version der Geschichte vorkommt und b) dass die Möglichkeit, das hieroglyphische Sprachensystem der Ägypter zu entschlüsseln, für mehrere Jahrhunderte verloren gegangen war, als der Koran offenbart wurde, und bis ins Jahr 1799 verloren blieb. Nach der Entdeckung in diesem Jahr des „Steins von Rosette“ wurde es für die Gelehrten möglich, die Mysterien der Hieroglyphen zu entschlüsseln. Dadurch wurde bestätigt, dass es in der Tat einen Haman gab, der in den hebräischen Schriften aber nicht erwähnt wird, der dem Pharao seiner Zeit nahe stand und der in der Konstruktion involviert war, so wie es der Koran sagt.

Wenn wir glauben, dass eine menschliche Autorschaft die einzige mögliche Erklärung für den Ursprung des Korans ist, so müssen wir es annehmen, dass entweder Mohammed irgendwie Zugriff zu diesen Informationen hatte oder wir müssen daran glauben, dass diese Passagen wieder weitere und bemerkenswerte lange Serien von zufälligen, verblüffenden Ereignissen ist.

Wie viele Zufälle brauchen wir, um die Botschaft zu erhalten?

Die Botschaft ist einfach: keine menschliche Intelligenz ist in der Lage, dieses Buch im siebten Jahrhundert zu erstellen.

Bitte halten Sie sich in Gedanken, dass viele, viele mehrere solcher Zufälle existieren. Ich habe hier nur diejenigen aufgelistet, die kein tiefes Wissen in Themen wie Arabisch, Mathematik, islamische Geschichte oder klassische poetische Formen benötigen. Sogar mit dieser kurzen Liste lieferte ich, glaube ich, einen Punkt, wo man verpflichtet ist, die Botschaft des Korans näher zu betrachten und hochachtungsvoll zu evaluieren. Diese angeblichen Zufälle sind, so glaube ich, klare Zeichen für die Menschheit, dass die Botschaft des Korans eine spezielle Qualität aufweist und nicht ignoriert werden darf.

Nur die wiederholte Bloßstellung des individuellen, menschlichen Herzens der Botschaft des Korans gegenüber kann solch eine wichtige Frage wie „Wer schrieb den Koran?“ stellen. Wenn Sie eine Person sind, die glaubt, dass es nichts derartiges gibt wie eine göttlich inspirierte Offenbarung, so stellt sich die Frage: Wie viele Zufälle braucht es, damit Sie es in Betracht ziehen können, dass solch eine Offenbarung der Menschheit gegenüber möglich sein kann?

Wenn Sie eine Person sind, die daran glaubt, dass es solcherart Dinge geben kann, so lautet die Frage: Wie viele Zufälle wollen Sie ignorieren, bevor Sie es in Betracht ziehen können, dass ein bestimmter Text solch eine Offenbarung darstellt?

Sie sollen wissen, dass ich NICHT daran interessiert bin, eine Debatte über die Möglichkeit abzuhalten, dass EINE dieser Versen, die ich zitiert habe, nur ein Zufall ist oder aus anderen Gründen für Sie nicht überzeugend ist. Die wahre, bemerkenswerte Sache ist, dass ALL diese Eigenschaften sich in einem Text repräsentieren, die angeblich durch menschliche Intelligenz hergestellt wurde – und die profunde Unwahrscheinlichkeit der verblüffenden Zufälligkeit ist es, das ich besprechen will.

Nachdem Sie nun all diese angeblichen Zufälle gesehen haben, werden Sie ehrlicherweise immer noch daran glauben, dass der Koran ein Produkt menschlicher Intelligenz sein soll, wie jedes andere Buch? Oder wird es anders sein?

Gepriesen sei der Herrscher der Welten, der Schöpfer, der Bildner!

übersetzt von Kerem A.

Evolution: Göttlich kontrolliert

Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Wir lernen aus dem Koran, dass die Evolution eine göttlich angeordnete Tatsache ist.

  • Das Leben begann im Wasser: Gott hat alle Lebewesen aus Wasser erschaffen. (21:30 und 24:45)
  • Die Menschen sind keine Abkömmlinge der Affen: Den Menschen erschuf Er zuerst aus Lehm. (32:7)
  • Der Mensch wurde aus „altem“ Schlamm erschaffen: Ich erschaffe einen Menschen aus ‚altem‘ Lehm. (15:28)

Evolution ist nur innerhalb einer gegebenen Spezies möglich. Beispielsweise entwickelt sich die Navelorange aus gesetzten Orangen, nicht aus Äpfeln. Die Wahrscheinlichkeitsgesetze schließen eine Möglichkeit der zufälligen Evolution zwischen den Spezies aus. Ein Fisch kann sich nicht zu einem Vogel entwickeln; ein Affe kann nie zu einem Menschen werden.

 

Wahrscheinlichkeitsrechnungen schließen Darwins Evolution aus!

Darwins berühmte Stellungnahme, dass „Leben aus einer ‚einfachen‘ Zelle begann“ ist lächerlich. In unserer Computer-Zeit haben wir mathematische Gesetze, welche uns zeigen, ob gewisse Ereignisse wahrscheinlich sind oder nicht. Werfen wir fünf mit Nummern versehene Würfel in die Luft und lassen sie anschließend in eine gerade, geführte Linie fallen, so zeigen uns die Wahrscheinlichkeitsgesetze, dass die Anzahl der möglichen Kombinationen 1×2×3×4×5 = 120 Kombinationen beträgt. Die Wahrscheinlichkeit, irgendeine Kombination aus diesen Möglichkeiten zu erhalten, beträgt 1 zu 120 oder 1/120 oder 0.0083.

Diese Wahrscheinlichkeit verkleinert sich schnell, wenn wir die Anzahl der Würfel vergrößern. Wenn wir sie durch einen Würfel vergrößern, so erhalten wir 1×2×3×4×5×6 = 720 Kombinationen. Die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Kombination zu erhalten, vermindert sich zu 1/720 oder 0.00139.

Mathematiker, die sehr exakte Wissenschaftler sind, stimmen im Allgemeinen überein, dass die Wahrscheinlichkeit auf „Null“ fällt, wenn wir die Anzahl der Würfel auf 84 vergrößern. Arbeiten wir mit 84 Würfeln, verringert sich die Wahrscheinlichkeit auf 209×10-50 oder

 

0.0000000000000000000000000000000000000000000000000209

 

Darwins berühmte Stellungnahme, dass „Leben aus einer ‚einfachen‘ Zelle begann“ ist lächerlich.

Vor 50 Jahren schrieben Huxley und Wells, dass im Zellkern nichts außer einer klaren Flüssigkeit zu erkennen sei. Heute wissen wir, dass die Zelle eine extrem komplexe Einheit mit Milliarden von Nukleotiden (Grundbaustein der DNA) im Genmaterial im inneren des Zellkerns ist, in der Millionen biochemischer Reaktionen stattfinden. Die Wahrscheinlichkeitsrechnungen sagen aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Anordnung der korrekten Nukleotidsequenz innerhalb der DNA null ist. Wir sprechen nicht von 84, sondern von Milliarden Nukleotiden die in einer bestimmten Reihenfolge arrangiert werden müssen.

Einige Verfechter der Evolutionstheorie argumentierten, dass das menschliche Genom zu 90% mit dem eines Affen übereinstimme. Selbst bei einer Übereinstimmung von 99% sprechen wir hier immer noch von 300’000’000 Nukleotiden, die sich durch Zufall neu arrangiert haben müssten, um den Affen in einen Menschen zu verwandeln. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ist dies eine vollkommene Unmöglichkeit. Das menschliche Genom enthält 30’000’000’000 Nukleotide. 1% davon entsprächen 300’000’000.

Ein passendes Zitat von Professor Edwin Conklin:

Die Wahrscheinlichkeit, dass Leben aus Zufall entstünde, ist vergleichbar mit der Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Großwörterbuch aus einer Explosion in einer Druckerei ergibt.